„Der Personalmangel gefährdet die frühkindliche Bildung“

Auf dem Kitaleitungskongress hat der VBE Hessen die Ergebnisse der DKLK-Umfrage unter Kita-Leitungen vorgestellt - und höhere Wertschätzung für die pädagogischen Berufe sowie mehr Leitungszeit für Kita-Leitungen gefordert.

„Personalmangel geht immer zu Lasten der pädagogischen Qualität. Das trifft aber nicht nur die Kinder – das demotiviert auch die Kolleginnen und Kollegen, die in den Kitas unter stressigen Arbeitsbedingungen noch die Stellung halten.“ So kommentiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, die Ergebnisse der diesjährigen DKLK-Umfrage unter Kita-Leitungen, die heute auf dem Deutschen Kitaleitungs-kongress (DKLK) in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Fatal: Kündigungen als Konsequenz aus dem Personalmangel

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 90 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Mitarbeiter/innen unzufrieden sind mit der pädagogischen Arbeit und dass sich der Personalmangel auf die Freude an der Arbeit auswirkt. Ein Viertel benennt Kündigungen als Konsequenz aus dem Personalmangel – eine fatale Entwicklung.

86 Prozent der Befragten haben nach eigener Wahrnehmung in den letzten 12 Monaten in mehr oder weniger starkem Ausmaß mit Personalunterdeckung gearbeitet, ein Drittel sogar in mehr als 40 Prozent der Zeit – also mit weniger Personal, als es die Vorschriften zur Aufsichtspflicht verlangen. „Unter solchen Bedingungen lässt sich der in §22 SGB VIII definierte Auftrag zur Förderung der Entwicklung von Kindern zu eigenständigen, eigenverantwortlichen und gemeinschafts-fähigen Persönlichkeiten nicht erfüllen“, warnt Stefan Wesselmann.

Folgen für die Schulen: Grundkompetenzen fehlen

Wenn es an Zeit für Team-Besprechungen, Reflexion, pädagogische Arbeit und individuelle Förderung fehlt, „kommen in den Schulen Kinder an, die einfache Arbeitsaufträge wie falten, schneiden, kleben nicht verstehen oder nicht umsetzen können – vor allem dann nicht, wenn im Elternhaus niemand mit ihnen malt oder bastelt“, erläutert der VBE-Landesvorsitzende, der als Leiter einer Grundschule den Arbeitsalltag der Lehrer/innen sehr genau kennt.

Wertschätzung der Eltern, Ignoranz der Politik

Daher ist aus Sicht des VBE Hessen eine gute frühkindliche Bildung elementar. Bis in die Politik scheint sich dies allerdings noch nicht herumgesprochen zu haben, auch das zeigt die DKLK-Studie. Denn während sich das Kita-Personal von Eltern und Kindern stark wertgeschätzt fühlt, wird die Wertschätzung durch die Politik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene als gering empfunden.

Dazu passt, dass bundesweit nicht einmal einem Drittel der Kita-Leitungen vertraglich festgelegte Leitungszeit zusteht. „Das zeugt von völliger Unkenntnis oder noch schlimmer, von Ignoranz gegenüber den vielfältigen Aufgaben von Kita-Leiterinnen und -Leitern in Büro, im Team und in den Kindergruppen“, kritisiert Stefan Wesselmann.

Gutes-Kita-Gesetz sorgt für mehr Leitungszeit

Hier schneidet Hessen im Vergleich allerdings besser ab als andere Bundesländer: Die vertraglich vereinbarte Leitungszeit und die tatsächlich benötigte Leitungszeit passen für 76 Prozent der Befragten gut zueinander. Als Grund sieht der VBE Hessen, dass die mit dem „Gute Kita-Gesetz“ verbundenen finanziellen Mittel hierzulande eher in die Leitungszeit als z. B. in die Beitragsfreiheit von Kitas geflossen sind.

„Jeder Ansatz, die Arbeitsbedingungen des Kita-Personals zu verbessern, ist zu begrüßen – und angesichts des Anspruchs auf Ganztagsbetreuung an den Schulen ab 2026 müssen die Anstrengungen noch größer werden. Denn dann wird der Bedarf an pädagogischem Personal weiter steigen – außer in den Kitas auch an den Schulen“, bilanziert der VBE-Landesvorsitzende.

 

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