"Das ist Zahlenweitwurf und Augenwischerei!"

Der VBE kritisiert die Aussagen des Kultusministers und fordert mit Blick auf die Kürzungen im letzten Schuljahr eine Kurs-Korrektur. 

„In seiner Pressemitteilung zum neuen Schuljahr hat das Kultusministerium nur so mit Zahlen um sich geworfen. Auf den ersten Blick scheint es deshalb, als würden an den Schulen paradiesische Zustände herrschen. Doch wer Schule auch von innen kennt, weiß: Die Zahlen sind Augenwischerei!“, kommentiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).


Beispiel 1: Die Versorgung des Grundunterrichts an den Schulen wird laut HMKB von 40 950 Lehrkräftestellen abgedeckt. Wichtig: Diese Stellen sind nicht alle mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt! Tatsächlich gibt es Regionen, wo zwischen 25 und 50 Prozent der Personen, die vor den Klassen stehen, kein Lehramtsstudium absolviert haben. „Die Unterrichtsversorgung ist also keineswegs verlässlich und stabil, sondern höchstens verlässlich instabil!“, so Wesselmann.

Beispiel 2: Nur weil sich fast alle Grundschulen in einem Ganztagsprogramm befinden und dafür Lehrkräftestellen eingeplant wurden, heißt das nicht, dass der Anspruch auf einen Ganztagsplatz dort auch abgedeckt werden kann – das hängt vielmehr davon ab, ob das Personal auch tatsächlich zur Verfügung steht, außerdem von den Räumen, die an vielen Schulen nicht ausreichen.

Beispiel 3: Die Deutsch-Förderung wird um eine „tägliche Lesezeit“ ergänzt. Dafür wird allerdings weder der Stundenplan erweitert noch werden den Schulen weitere (Personal-)Stunden zugewiesen. Stattdessen sollen die Grundschulen fachübergreifend das Lesen fördern und Materialien dafür bekommen. „Materialien schaffen aber keine Zeit! Abgesehen davon, dass Lesezeiten keine Erfindung des Kultusministeriums sind, sondern bereits an vielen Schulen erfolgreich praktiziert werden.“

Der VBE-Landesvorsitzende bilanziert: „Die eigentliche Frage ist doch: Was brauchen Schulen, um Schülerinnen und Schüler unterrichten und fördern zu können? Was brauchen wir, um Bildungsgerechtigkeit zu schaffen? Leider hat das Kultusministerium diese Fragen schon im letzten Schuljahr ignoriert, das geprägt war von Kürzungen in der Lehrkräftebildung, Einsparungen beim Sozialindex und bei der Binnendifferenzierung an den IGSen. Wir brauchen deshalb keine aufgehübschten Zahlen – wir brauchen dringend eine Kurs-Korrektur!“

Die Pressemitteilung  mit unseren Forderungen für das neue Schuljahr finden Sie hier.