Der Vorbereitungsdienst wird kürzer, aber die Inhalte und die Stunden allein im Unterricht werden mehr. Der VBE warnt vor einer Verschlechterung der Ausbildung.
Der Kultuspolitische Ausschuss des Hessischen Landtags hat für heute zu einer Anhörung geladen, bei der es um einen Gesetzentwurf zur „Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung“ geht, konkret: um den Vorbereitungsdienst. Den Gesetzentwurf haben die Fraktionen von CDU und SPD eingebracht.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen warnt vor einer Verschlechterung der Ausbildung für das Lehramt, wenn die Vorschläge so umgesetzt werden. Unsere Befürchtungen und unsere Kritik hat der stv. VBE-Landesvorsitzende Joachim Trautmann im Landtag vorgetragen und begründet.
„Weniger Hospitationen, weniger Anleitung und Beratung, gleichzeitig rund doppelt so viele Stunden wie zuvor allein unterrichten. Mehr Inhalte, aber gleich-zeitig drei Monate weniger Vorbereitungsdienst. Das ist ein Widerspruch, das geht nicht zusammen, ohne sich negativ auf die Qualität der Ausbildung auszuwirken!“, kritisierte Trautmann.
Was ist überflüssig am derzeitigen Vorbereitungsdienst?
Zumal sich die Frage stellt: „Welche Inhalte werden gestrichen? Was von dem, was die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahren gelernt haben, hält die Politik nun für überflüssig?“, so Trautmann. Die Fachdidaktik ist aus Sicht des VBE Hessen unverzichtbar, und auch überfachliche Inhalte wie Erziehen, Beraten, Betreuen und Diagnostizieren, Fördern und Beurteilen dürfen mit dem Ende der Modularisierung nicht einfach wegfallen.
Der VBE Hessen lehnt daher die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von 21 auf 18 Monate in Kombination mit dem Wegfall der verbindlichen Hospitations-stunden und der Ausweitung des eigenverantwortlichen Unterrichts für Lehr-kräfte im Vorbereitungsdienst strikt ab.
Durchsichtig: LiV werden zu Lückenfüllern
In der Summe scheint das Motiv hinter diesen Maßnahmen durchsichtig: Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) sollen schneller an die Schulen gebracht werden, um den dortigen Personalmangel halbwegs auszugleichen. „Die LiV werden also als Lückenfüller missbraucht – obwohl der Vorbereitungsdienst eigentlich ihrer gründlichen, professionellen Qualifizierung dienen soll“, stellte Trautmann klar.
Offensichtlich mit demselben Ziel – Sicherung der Unterrichtsversorgung – erweitert der Gesetzentwurf die Möglichkeiten für den Quer- und Seiteneinstieg* bzw. für eine Ausbildung in nur einem Unterrichtsfach oder in einer Fachrichtung. Der VBE Hessen sieht dies mit großem Unbehagen: „Der Lehrkräftemangel ist zweifellos ein Problem. Aber immer weiter mit immer mehr Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern zu planen, ist nicht die Lösung. Dies führt nur dazu, dass Ausbildungsstandards für den Lehrberuf dauerhaft gesenkt werden“, so der stv. Landesvorsitzende.
Sparmaßnahme statt Fortentwicklung
Eine inhaltliche Begründung für die „Fortentwicklung“ der Lehrkräftebildung liefern die Fraktionen mit dem Gesetzentwurf nicht. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass es ausschließlich um Einsparungen bei Personal und Geld geht. Dazu passt, dass bereits im vergangenen Februar die Stunden, die den Studienseminaren zur Verfügung stehen, reduziert wurden. Die Ausbildungs-kräfte haben nun jeweils mehr LiV zu betreuen und damit weniger Zeit für die individuelle Beratung. Offenbar war diese Maßnahme bereits ein Vorgriff auf die jetzigen Kürzungen.
Angesichts der geschilderten folgenreichen Veränderungen sind die positiven Punkte im Gesetzentwurf fast zweitrangig. Die Abkehr von der Modularisierung begrüßt der VBE Hessen; jahrelang haben wir diese gefordert. Positiv ist außerdem zu bewerten, dass wichtige Themen wie Kinder- und Jugendschutz, Demokratieerziehung, Medienbildung und BNE endlich in die Curricula der Studienseminare aufgenommen werden.
Die Stellungnahme des VBE Hessen zur Lehrkräftebildung in voller Länge ist hier zu finden.
Foto: Hannah Olinger / unsplash