Digitalisierung der Schulen: Masterplan statt Flickenteppich!

Die aktuelle forsa-Umfrage deckt sich mit den Erfahrungen in Hessen: Zwar gibt es Fortschritte bei der technischen Ausstattung - aber keineswegs flächendeckend. Und: Es mangelt an Support. Der VBE Hessen fordert daher einen Masterplan für die Schulen.

Die aktuelle forsa-Umfrage unter Schulleitungen deckt sich mit den Erfahrungen und Eindrücken aus Hessen: Die Digitalisierung der Schulen hat zwar durch die Pandemie und den damit verbundenen Distanzunterricht einen Schub bekommen. Doch von einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur in Hessen und dem reibungslosen Einsatz digitaler Geräte und Medien in der Schule kann nicht die Rede sein: „Es hakt an zahlreichen – und von Schule zu Schule unterschiedlichen – Ecken und Enden“, stellt Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen klar.

So warten noch immer viele Schulen auf zugesagte Geräte für Klassenräume, Schüler/innen und Lehrkräfte. Stabiles Internet ist gerade in ländlichen Gebieten nicht garantiert, von der Ausstattung mit WLAN ganz zu schweigen. „Wenn Schulen mit Tablets ausgestattet werden, aber noch kein WLAN haben, ist das schon schräg. Unglaublich wird es aber, wenn sie auf Dezember 2024 und das Ende des Digitalpakts I vertröstet werden – bis dahin werde in jedem Fall für WLAN gesorgt sein. Nicht auszuschließen, dass die Tablets dann aus technischen Gründen schon wieder ausgetauscht werden. Dann wäre das Geld schlicht zum Fenster rausgeworfen!“, kommentiert Wesselmann.

Schulträger:
personell und finanziell nicht auf Digitalisierung vorbereitet

Das größte Problem für die Schulen sind allerdings der technische Support und die Wartung der digitalen Ausstattung. Denn an den Schulen selbst mangelt es an Fachwissen und Zeit, technische Probleme selbst in die Hand zu nehmen – und auf den externen, durch die Schulträger bereitgestellten Support muss das pädagogische Personal manchmal lange warten.

Die Gründe dafür liegen aus Sicht des VBE Hessen auf der Hand: Die Schul-träger sind weder personell noch finanziell auf diese Aufgaben vorbereitet, noch dazu sind die Budgets für die Digitalisierung dort sehr unterschiedlich. Da die Zuständigkeiten für Digitalisierung zersplittert sind, laufen die Bemühungen von Politik und Bildungsverwaltung unkoordiniert ab. Einige Fragen zu Datenschutz und Urheberrecht sind noch ungeklärt. Die Verantwortung dafür schieben sich das Hessische Kultusministerium, die Staatlichen Schulämter und die Schulträger gegenseitig zu. 

VBE Hessen fordert Masterplan  –
mit für alle Schulen verbindlichen Mindeststandards!

„Im Ergebnis haben wir es in Hessen mit einem Flickenteppich zu tun, der zu Durcheinander, Frust und immensen Ungleichheiten zwischen den Schulen und damit zu Bildungsungerechtigkeit führt“, kritisiert der VBE-Landesvorsitzende.

Der VBE Hessen fordert daher einen „Masterplan für die Digitalisierung“, mit vom HKM vorgegebenen Mindeststandards für alle Schulen. In einem gleichnamigen Positionspapier (das hier nachzulesen ist und auch dem HKM vorliegt) definieren wir, was wir unter einer wirklich „digitalen Schule“ verstehen: Eine Schule, an der technische Ausstattung und personelle Ressourcen für den Support, außerdem Fachwissen, klare Zuständigkeiten und ein rechtssicherer Rahmen das pädagogische Personal an den Schulen in die Lage versetzen, jederzeit und ohne Komplikationen digitale Geräte und Medien im Unterricht einzusetzen! 

Zur aktuellen forsa-Umfrage:
Das Sozialforschungsinstitut forsa führt seit 2018 im Auftrag des VBE jährlich die „Berufszufriedenheitsumfrage“ unter Schulleitungen durch, mit wechselnden Schwerpunkten. Die jüngste Umfrage aus dem Jahr 2022 drehte sich um die Digitalisierung der Schulen. Die Pressemitteilung des VBE und die Umfrage-Ergebnisse finden Sie auf www.vbe.de.

 

Foto: Mika Baumeister / unsplash