„Wir fordern klare Aussagen im Sinne des Gesundheitsschutzes statt Wischiwaschi!“

„Wir fordern klare Aussagen im Sinne des Gesundheitsschutzes statt Wischiwaschi!“

(26.11.2020) „Und wieder sehen die Lehrkräfte sich mit vagen Beschlüssen konfrontiert, die noch dazu sehr beliebig wirken“, kommentiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen die Ergebnisse der gestrigen Beratungen von Bund und Ländern.

Angesichts der Tatsache, dass das Robert-Koch-Institut schon ab einer Inzidenz von 50 die Maskenpflicht und geteilte Klassen empfiehlt, ist es für den VBE kaum nachvollziehbar, warum nach dem Willen der Politik solche Maßnahmen erst ab einem Inzidenzwert von 200 ergriffen werden sollen.

„Dieser Richtwert ist zwar besser als gar nichts“, meint Wesselmann. Aber dass dieser auch beachtet wird, scheint für Hessen noch nicht ausgemacht zu sein, wenn man dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier zuhört. Dieser hält das Abweichen vom Präsenzunterricht für „sinnvoll“, wenn es an einer Schule zu Ausbrüchen kommt oder vor Ort der Inzidenzwert von 200 überschritten wird. Das müsse dann für jede Schule „individuell entschieden“ werden.

„Das ist das Gegenteil einer klaren Linie, das ist reinstes Wischiwaschi und wirft nur neue Fragen auf“, kritisiert der VBE-Landesvorsitzende: „Wer entscheidet, welche Maßnahmen ergriffen werden – und auf welcher Grundlage?“ Einheitliche Vorgaben gebe es nach wie vor nicht. „Die einzige Vorgabe ist offenbar, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet – vor allem der Gesundheitsschutz“, sagt Wesselmann.

Die Schulen hängen damit weiter in der Luft und die Lehrkräfte reiben sich zwischen dem Anspruch auf Bildungsgerechtigkeit und der Sorge um ihre eigene und die Gesundheit der Schüler/innen auf. „Wir erwarten daher, dass das Kabinett sich heute endlich zu klaren Positionen durchringt und Vorgaben festlegt, die dann auch wirklich umgesetzt werden“, fordert Wesselmann mit Blick auf die heutigen Gespräche in der schwarz-grünen Landesregierung

Ergänzung nach der Pressekonferenz zur Kabinettssitzung am 26.11.2020, 13 Uhr:

Der Landesvorsitzende des VBE Hessen, Stefan Wesselmann“ kommentiert:
„Zwei magere Sätze zur Maskenpflicht hatte Ministerpräsident Bouffier für die Schulen übrig. Das Thema Wechselunterricht wurde nicht einmal erwähnt. Das grenzt schon an Ignoranz angesichts der Tatsache, dass jetzt sogar die Schüler selbst für einen besseren Gesundheitsschutz auf die Straße gehen wollen – also jene, denen die Landesregierung mit dem Präsenzunterricht etwas Gutes tun möchte.

Und es lässt ahnen, dass wir weiter mit einem Flickenteppich leben müssen: Manche Schulträger werden bei einem Inzidenzwert ab 200 in den Wechselunterricht gehen, andere werden am Präsenzunterricht festhalten – und die können sich dann auf die Landesregierung berufen, die dem Gesundheitsschutz an den Schulen keine Priorität einräumt, anders in anderen gesellschaftlichen Bereichen.“

Artikel als PDF downloadenDrucken