„Wir brauchen Sprachförderung aus einem  Guss – anstelle eines Flickenteppichs!“

„Wir brauchen Sprachförderung aus einem Guss – anstelle eines Flickenteppichs!“

Der VBE Hessen begrüßt das Vorhaben des neuen Präsidenten der Kultusministerkonferenz Prof. Dr. Alexander Lorz, Deutsch als Bildungssprache zu stärken. „Sprachkenntnisse sind unbestritten die zentrale Grundlage für den schulischen Erfolg des Einzelnen und damit auch für unsere Gesellschaft, da Bildung hierzulande zu den wichtigsten Ressourcen zählt“, kommentierte Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, am Rande der Amtsübergabe heute im Bundesrat in Berlin.

Föderales Kompetenzgerangel
Wichtiger als der Umfang der Sprachförderung sei jedoch deren Effektivität: „Deutschland mit seinen föderalen Strukturen ist Meister darin, einen Flickenteppich an Angeboten zu schaffen. Das Zuständigkeitschaos und das Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist ineffektiv und das Kooperationsverbot im Bildungsbereich skandalös”, kritisiert Wesselmann und spielt damit auch auf das Scheitern des Digitalpaktes an. „Was wir brauchen, sind umfangreiche und gut abgestimmte Sprachförder-Angebote, die von der Krippe über KiTa und Schule bis in die Erwachsenenbildung reichen.“ Diese Angebote müssten zudem für alle zugänglich sein – also auch für Menschen, die in ländlichen Regionen leben.

A13 als Einstiegsbesoldung für alle Lehrämter
Außer bei dem vom KMK-Präsidenten gesetzten Thema sieht der VBE Hessen noch an anderen Stellen Handlungsbedarf, z.B. bei der gleichen Eingangsbesoldung für alle Lehrämter (A13). Im frisch gedruckten hessischen Koalitionsvertrag lässt sich nachlesen, dass CDU und Bündnis 90/Die Grünen ein „abgestimmtes und einheitliches Vorgehen der Bundesländer für sinnvoll“ halten. Dazu meint Wesselmann: “Als KMK-Präsident hat Kultusminister Lorz die einmalige Chance, die längst nicht mehr begründbare Ungleichbehandlung zu beenden und ein Zeichen für die Bedeutung des Grundschul-Lehramts zu setzen.“ Die Zeit drängt, denn der Konkurrenzkampf der Bundesländern um die Lehrkräfte läuft bereits: Brandenburg und Sachsen haben begonnen, Grundschul-Lehrkräften ein höheres Einstiegsgehalt zu zahlen, mehrere andere Bundesländern (u.a. NRW und Schleswig-Holstein) wollen nachziehen.

Zeit für Bildung – im weitesten Sinne
Außerdem muss Demokratie-Erziehung auf der Agenda der KMK bleiben, fordert der VBE Hessen. Welche Bedeutung Werte für Lehrkräfte und Eltern haben, zeigte erst Ende 2018 die forsa-Umfrage im Auftrag des VBE-Bundesverbands zur Werteerziehung. „Für Werteerziehung – und auch die gehört zu Bildung dazu – braucht es aber Zeit“, so der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann: „Die Politik muss dafür sorgen, dass wir Lehrkräfte die Ruhe und den Raum haben, Mädchen und Jungen zu begleiten und auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen.“

VBE setzt auf sachlich-konstruktiven Austausch
Angesichts der vielen Herausforderungen in der Bildungspolitik und den mitunter unterschiedlichen Interessen der Länder wünschte der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann dem neuen KMK-Präsidenten auf der heutigen Feierstunde Geduld und Verhandlungsgeschick. „In Hessen haben wir Kultusminister Lorz als einen Politiker kennengelernt, der stets an der Meinung und an den Vorschlägen der Praktiker interessiert ist“, sagt Wesselmann. Das zeige sich nicht zuletzt darin, dass zahlreiche VBE-Forderungen Eingang in den Koalitionsvertrag von Bündnis90/Die Grünen gefunden haben. „Wir freuen uns daher auf einen weiterhin sachlich-konstruktiven Austausch.“

(28.01.2019)

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