Verkürzte Quarantäne? Ja - aber nicht auf Kosten des Gesundheitsschutzes!

Verkürzte Quarantäne? Ja - aber nicht auf Kosten des Gesundheitsschutzes!

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen stimmt mit der Kultusministerkonferenz darin überein, dass trotz der Verbreitung der Omikron-Variante die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nicht aus dem Blick geraten dürfen. Die Entscheidung, die Schulen möglichst offen zu halten, ist aus Sicht des VBE Hessen daher konsequent.

„Wir erleben in den Schulen aktuell die Folgen der Schulschließungen, sowohl für die sozial-emotionale Entwicklung bzw. die Psyche von Kindern und Jugendlichen als auch für deren Leistungen. Eine Verschärfung dieser Situation durch weiteren Distanzunterricht können wir nicht wollen. Die Maskenpflicht und das regelmäßige Testen sind der Preis dafür, den wir akzeptieren“, sagt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Sicherheit für die Großveranstaltung Schule
Allerdings pocht der VBE Hessen auf einen Gleichklang der Maßnahmen in Gesellschaft und Schule: „Wenn Großveranstaltungen nur unter strengen Sicherheitsauflagen stattfinden dürfen, muss das auch für die tägliche Großveranstaltung Schule gelten“, stellt der VBE-Landesvorsitzende klar.

In punkto Quarantäne seien Einheitlichkeit und Sicherheit aber nicht gegeben, da die Gesundheitsämter in Hessen eine unterschiedliche Definition von „Kontaktperson“ haben und somit mal mehr, mal weniger Schüler/innen und Lehrkräfte in Quarantäne geschickt werden.

„Das sorgt nicht nur für unnötige Verunsicherung bei Eltern, Lehrkräften, Kindern und Jugendlichen“, kritisiert Wesselmann. „Es legt auch den Verdacht nahe, dass nicht immer auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse entschieden wird, sondern je nach persönlichen oder politischen Überzeugungen der verantwortlichen Personen. So aber darf nicht mit der Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und dem Personal an Schulen umgegangen werden!“

Der VBE Hessen fordert daher klare und einheitliche Richtlinien für den Umgang mit Infektionen, an denen sich alle Gesundheitsämter orientieren müssen.

Klare Regeln für verkürzte Quarantäne
Vor diesem Hintergrund begrüßt der VBE Hessen, dass der Bundesgesundheitsminister die Verkürzung der Quarantäne von Schülerinnen und Schülern, die als Kontaktpersonen eingestuft werden, als bundeseinheitliche Regelung einführen möchte. Allerdings muss, wenn Schüler/innen sich nach fünf Tagen künftig mit einem PCR-Test freitesten können, vorher unbedingt die Frage geklärt sein, wer die Kosten für diese PCR-Tests übernimmt.

Der Vorstoß von Kultusminister Lorz, auch bei Lehrkräften die Quarantäne zu verkürzen, lässt aus Sicht des VBE noch viele Fragen offen: Soll es auch hier ein Freitesten mit PCR-Test geben oder sollen geimpfte und geboosterte Personen nach der Quarantäne automatisch an die Schulen zurückkehren? Wie lange soll die verkürzte Quarantäne dauern? Und sollen die neuen Regelungen nur für Kontaktpersonen gelten oder auch für infizierte Lehrkräfte, die aber symptomfrei sind?

„Bei allem Verständnis dafür, dass Schulschließungen unbedingt vermieden werden sollen: Es muss eine Balance gefunden werden zwischen dem Bemühen um Präsenzunterricht für alle Schüler und dem Gesundheitsschutz an Schulen“, fordert der VBE-Landesvorsitzende. „Außerdem darf die Politik keine Regelungen erlassen, die wachsweich sind oder einen Interpretationsspielraum zulassen, so dass am Ende an den Schulen wieder Verunsicherung erzeugt wird und sich ein chaotisches Gesamtbild bietet. Ich sage es nochmals: Wir brauchen klare, einheitliche und verantwortbare Regeln!“

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