VBE Hessen zur PK des Kultusministers: „Wir sehen Licht und Schatten“

VBE Hessen zur PK des Kultusministers: „Wir sehen Licht und Schatten“

(08.08.2019) Mit dem Bemühen, dem Lehrkräfte-Mangel vor allem mit qualifiziertem Personal zu begegnen, liegt das Hessische Kultusministerium (HKM) aus Sicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen auf der richtigen Linie. Eine fundierte Aus- und Fortbildung sei das HKM sowohl den Kinder und Jugendlichen als auch den Lehrkräften selbst schuldig, die im Schulalltag vor vielen für sie neuen Herausforderungen stehen.

Dass der Mangel auf diese Weise nur langsam abgebaut wird, liege in der Natur der Sache und sei nachvollziehbar. „Allerdings muss die Aussage, dass die Bemühungen sich schon `signifikant bemerkbar´ machen, in den Ohren einer Schulleiterin, die fünf unbesetzte Stellen und eine schwierige Schülerschaft hat, zynisch klingen“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Digitalisierung – auch im Lehrerzimmer!
Das Vorhaben des HKM, im neuen Schuljahr einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Schulen zu legen, begrüßt der VBE Hessen. „Diese Fokussierung ist längst überfällig, denn die Ausstattung an manchen Schulen ist mittelalterlich“, stellt Wesselmann fest. Der Digitalpakt sei allerdings nur eine Finanzspritze. „Wir brauchen Geld für den Dreiklang: Ausstattung, Wartung der Geräte, Qualifizierung der Lehrkräfte. Und wir dürfen nicht vergessen: Es werden hohe Folgekosten für Software-Lizenzen und die ständige Nachrüstung mit neuen Geräten anfallen.“

Zugute hält Wesselmann der Landesregierung, dass sie den Eigenanteil am Digitalpakt großzügig aufstockt. Allerdings müssten auch die Lehrkräfte davon profitieren, denn die würden gerne vergessen, wenn wir über Digitalisierung an Schulen reden. „PC-Arbeitsplätze in den Lehrerzimmern lassen sich an einer Hand abzählen und das Land ist bislang nicht einmal in der Lage, seinen Lehrkräften dienstliche Mail-Adressen zur Verfügung zu stellen”, erläutert der VBE-Landesvorsitzende. Somit müssten Lehrkräfte häufig auf private Geräte und Mail-Adressen zurückgreifen, was mit Blick auf den Datenschutz aber hoch problematisch ist. „Der Dienstherr überlässt es den Lehrkräften, für notwendige Sicherungsmaßnahmen zu sorgen – und lässt sie damit allein. So etwas würde keinem professionell arbeitenden Unternehmen einfallen“, kritisiert Wesselmann.

Entscheidung zur Kooperation mit DITIB dringend notwendig
Den Islamunterricht in der 7. Klasse fortzuführen – ohne Beteiligung der DITIB Hessen, in einem Schulversuch – hält der VBE Hessen für sinnvoll. Zugleich fordert Wesselmann, endlich eine Entscheidung über die Kooperation mit der DITIB zu treffen: „Die DITIB hatte genügend Zeit, ihre Unabhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde nachzuweisen. Sollte der Kultusminister daran noch Zweifel haben, muss er diese unbefriedigende Hängepartie umgehend beenden.“

Lehrerbildung muss auf den Prüfstand
Die vom HKM angekündigte Novellierung des Lehrerbildungsgesetzes ist ebenfalls dringend überfällig. Der VBE Hessen wird das Gesetzgebungsverfahren kritisch begleiten und vor allem darauf pochen, dass die Praxisorientierung verstärkt wird und endlich eine Verzahnung der universitären Phase und der Ausbildung am Studienseminar erfolgt.

Insgesamt muss die Ausbildung an den Studienseminaren aus Sicht des VBE Hessen auf den Prüfstand. Die Ausbildung in Modulen führt dazu, dass bei Unterrichtsbesuchen häufig fachliche Fähigkeiten der Lehrkraft und der Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend berücksichtigt werden. „Das verzerrt den Blick auf das eigene Können und macht die Lernenden nicht selten zu Versuchskaninchen. Das ist nicht hinnehmbar“, kritisiert Wesselmann den Status quo und fordert dringende Änderungen ein.

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