"Unsere pädagogische Arbeit ist nicht gleichartig, aber gleichwertig!"

"Unsere pädagogische Arbeit ist nicht gleichartig, aber gleichwertig!"

Zum jährlichen Aktionstag am 11.11.2016 unterstreicht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen seine Forderung nach einer gleichen Besoldung für alle Lehrerinnen und Lehrer.

„Die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern an Grundschulen und beispielsweise Gymnasien ist natürlich nicht gleichartig, aber sie ist gleichwertig“, stellt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des VBE, fest. Trotzdem werden Grundschullehrkräfte als einzige Lehrkräfte überhaupt in die Besoldungsstufe A12 eingestuft. Damit verdienen sie deutlich schlechter als zum Beispiel Studienräte an Gymnasien: Der Unterschied liegt bei mindestens 500 €. „Es kann aber nicht sein, dass sich die Bezahlung der Lehrkräfte nach der Schuhgröße der Schülerinnen und Schüler richtet“, kommentiert Wesselmann.

VBE Hessen kämpft seit Jahren für gleiche Bezahlung
Die Aufwertung des Lehramts für die Grundschulen liegt dem VBE Hessen seit langem am Herzen. Im Jahr 2012 hatte die Gewerkschaft daher eigens ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Verfassungsmäßigkeit der unterschiedlichen Besoldung für die verschiedenen Lehrämter in Hessen klären sollte. Das so genannte Gusy-Gutachten (benannt nach seinem Verfasser, dem Rechtsprofessor Dr. Christoph Gusy von der Uni Bielefeld) kommt zu dem Schluss, dass die gängigen Argumente für eine unterschiedliche Besoldung nicht mehr tragfähig seien. Dies sind: die unterschiedliche Ausbildung der Lehrer sowie die unterschiedlichen Anforderungen im Schulalltag.

Argumente für unterschiedliche Besoldung nicht mehr tragfähig
Tatsache ist allerdings: Sämtliche Lehrämter schließen heutzutage ihr Studium mit Staatsexamen ab. Auch das Argument, von Gymnasial-lehrerinnen und –lehrern würden vor allem wissenschaftliche Fähigkeiten abverlangt – also auch Fachkenntnisse auf einem höheren Niveau – lässt das Gutachten nicht mehr gelten.

Stattdessen seien heute alle Lehrerinnen und Lehrer stark pädagogisch gefordert: Die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, die Integration von Kindern und Jugendlichen aus zugewanderten Familien sowie der gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung gehörten heute an allen Schulen dazu.

Männer entscheiden sich gegen die Grundschule
Der VBE Hessen hält die (finanzielle) Aufwertung der Arbeit von Grundschul-lehrerinnen und -lehrern auch deshalb für geboten, weil sich nur so mehr Männer für diesen Beruf gewinnen ließen. Aktuell haben Grundschul-lehrkräfte die höchste Unterrichtsverpflichtung bei gleichzeitig niedrigster Besoldung. „Diese schlechte Besoldung ist für junge Männer sicher wenig einladend, zumal es an den Grundschulen keine Möglichkeiten zu einer Beförderung gibt. Wer mehr verdienen möchte, muss dort eine Position in der Schulleitung anstreben“, erläutert der VBE-Landesvorsitzender Stefan Wesselmann. Das gilt übrigens auch für fast alle anderen Schulformen – nur am Gymnasium kann eine Lehrkraft, die besondere Aufgaben übernimmt, höher eingestuft werden.

Das komplette Gusy-Gutachten mit dem Titel „Gleiche Lehrerbesoldung als Verfassungsauftrag“ findet sich auf der Homepage des VBE Hessen: https://www.vbe-hessen.de/aktuelles/material/

Artikel als PDF downloadenDrucken