„Unsere Gesundheit ist wichtig – aber Schule bedeutet auch Zugang zu Bildung und Schutz“

„Unsere Gesundheit ist wichtig – aber Schule bedeutet auch Zugang zu Bildung und Schutz“

(15.04.2020) Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen begrüßt, dass die Landes-regierung bei der Öffnung der Schulen keine übereilten Entscheidungen trifft. „Das zeigt, dass die Politik im Blick hat, welche Empfehlungen aus der Wissenschaft in der Praxis auch umsetzbar sind. Wichtig ist nun, dass das Hessische Kultusministerium zügig Details berät und klärt, so dass die Schulen eine ausreichende Vorlaufzeit für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts haben“, kommentiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des VBE Hessen.

Priorität hat auch für den VBE Hessen, die Gesundheit der Schüler/innen sowie der Lehrer/innen und pädagogischen Fachkräfte zu schützen. „Damit dies gelingt, muss aber genau definiert werden, welche Hygienestandards an den Schulen gelten sollen“, sagt Wesselmann.

Grundvoraussetzung sei, dass die Schulträger Seife, Desinfektionsmittel und Papierhandtücher in Sanitärräumen und Klassenzimmern zur Verfügung stellten. Außerdem müssten die Schulträger dafür sorgen, dass die Schulgebäude gründlich gereinigt und Oberflächen regelmäßig desinfiziert werden.

Angesichts der Empfehlung zum Tragen von Mundschutzmasken z.B. in Bussen und Bahnen muss sichergestellt werden, dass bis zur Öffnung der Schulen ab 27. April ausreichend Mundschutzmasken verfügbar sind. Eine ausreichende Zahl muss auch den Beschäftigten an den Schulen zur Verfügung gestellt werden.

Reinigung an vielen Schulen mangelhaft
Der VBE Hessen weist in dem Zusammenhang auf die an vielen Schulen mangelhafte Reinigung hin. Aus Kostengründen haben die Schulträger in der Regel diese Aufgabe an externe Dienstleister vergeben.

Den Reinigungskräften wiederum wird zu wenig Zeit für eine gründliche und bedarfsgerechte Reinigung zugestanden (z.B. tägliche Reinigung, Reinigung von Böden und Tischen, mehrfach am Tag Reinigung der Toiletten). Zudem steht an vielen Schulen kein warmes Wasser für das Putzen zur Verfügung und auch eine Kontrolle, ob bei der Reinigung hygienisch vorgegangen wird (saubere Lappen, verschiedene Lappen für verschiedene Bereiche) findet in der Regel nicht statt.

Eine besondere (hygienische) Herausforderung stellen ferner jene Schulen dar, in deren Klassenzimmern es keine Waschbecken gibt. „Und das betrifft nicht nur Container und Altbauten, sondern auch Neubauten, bei deren Planung gespart wurde“, stellt der Landesvorsitzende Wesselmann klar.

Schule als Schutzraum vor Gewalt
Bei allen Maßnahmen gilt es aus Sicht des VBE Hessen aber nicht nur die Gesundheit, sondern auch psychische Folgen für die Kinder und Jugendlichen zu bedenken. Das gilt besonders für jene, für die Schule ein Ort ist, an dem sie sich aufgehoben fühlen und/oder vor Gewalt geschützt sind bzw. wo die zuhause erlebte Gewalt bemerkt wird und Erwachsene sich ihrer annehmen. Können diese Kinder und Jugendlichen weiterhin nicht in die Schule gehen, müssen sie auf anderen Wegen erreicht werden.

Deshalb erachtet der VBE Hessen es als äußerst wichtig, Beschäftigte in Jugendämtern und im Kinder- und Jugendschutz als „systemrelevante Berufe“ einzustufen. „Das wäre ein wichtiger Beitrag, um Kinder in Not besser schützen zu können“, erläutert Stefan Wesselmann.

Besondere Unterstützung für benachteiligte Schüler
Zugunsten der Bildungsgerechtigkeit fordert der VBE Hessen von der Politik Vorschläge, wie die Nachteile von Schülern und Schülerinnen aus sozial benachteiligten Familien während der Schulschließungen künftig vermieden bzw. ausgeglichen werden können. Hier muss z.B. die Frage geklärt werden, ob es ergänzende Angebote zum Unterricht geben soll oder Unterstützung in den Sommerferien auf freiwilliger Basis, vergleichbar mit den Ostercamps.

Schließlich müssen vor dem erneuten Start des sogenannten digitalen Unterrichts unbedingt die folgenden Fragen geklärt werden: In welcher Form können die zuhause erbrachten Leistungen überhaupt in die Noten einfließen? Können Lehrkräfte diese Aufgaben von den Schülern und Schülerinnen einfordern? Wie ist mit ausstehenden Klassenarbeiten und Leistungsnachweisen umzugehen?
Der VBE Hessen legt Wert darauf, Antworten auf diese Fragen direkt aus dem Kultusministerium zu erhalten, nicht etwa über die Elternbeiräte.

Artikel als PDF downloadenDrucken