Thermo-Unterwäsche statt Luftfilter? Gesundheitsschutz gibt’s nicht zum Nulltarif!

Thermo-Unterwäsche statt Luftfilter? Gesundheitsschutz gibt’s nicht zum Nulltarif!

(16.10.2020) Die Vorgabe aus dem neuen Hygieneplan 6.0, die Klassenräume alle 20 Minuten mehrere Minuten lang zu lüften, macht den Präsenzunterricht in der Schule zu einer Zumutung für alle Beteiligten. “Die Landesregierung setzt ganz offenbar darauf, dass Eltern ihre Kinder mit Thermo-Kleidung ausstatten statt endlich Fürsorge gegenüber Lehrkräften und Schülern zu zeigen und in die durchaus erschwinglichen Luftfilter zu investieren”, kritisiert Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen.

Politik ignoriert Studie zu Luftfiltern
Nicht einmal für Schulen, in denen sich Fenster nicht öffnen lassen, stellt das Kultusministerium Luftreinigungsgeräte in Aussicht, sondern rät den Schulen lapidar, gemeinsam mit den Schulträgern nach Möglichkeiten zu suchen, die Fenster doch zu öffnen. Luftfilter seien zudem nicht erforderlich, Lüften reiche aus. “Diese Behauptung ignoriert nicht nur die Studie der Goethe-Universität, die gerade gezeigt hat, wie gut die Luftreinigungsgeräte Aerosol-Partikel aus der Luft filtern können. Sie ignoriert auch die Tatsache, dass die Vorgaben zum Lüften für die Schulen kaum praktikabel sind”, so der VBE-Landesvorsitzende.

Jacken und Mütze an – Jacken und Mütze aus, Hände waschen vor und nach dem Pausenbrot, vor und nach der Benutzung von PCs und Experimentier-Materialien: “Das alles frisst soviel Zeit und bringt so viel Unruhe in die Klassen, dass ich mich frage: Wie sollen wir unter solchen Umstände noch Unterricht halten?” fragt der VBE-Landesvorsitzende. Aber für die Umsetzbarkeit im Schulalltag interessiere sich in Schulverwaltung und Politik offenbar niemand.

Zudem kritisiert Wesselmann scharf den offensichtlichen Unwillen der politisch Verantwortlichen, die erforderlichen Investitionen zu tätigen. “Darauf zu bauen, dass Eltern ihren Kindern Thermo-Wäsche kaufen statt für Luftfilter zu sorgen, eine CO-2-Simulations-App dringend zu empfehlen statt richtige Messgeräte anzuschaffen – hier werden wieder alle Probleme einfach bei der Schule abgeladen. Gesundheitsschutz gibt es aber nicht zum Nulltarif!”

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