„In Schulen wird kollegial entschieden,  nicht von oben durchregiert. Das sollte so bleiben!“

„In Schulen wird kollegial entschieden, nicht von oben durchregiert. Das sollte so bleiben!“

Auf seiner Herbstsitzung am 30.09.2016 hat der Landesvorstand des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen aktuelle Themen aus der Bildungspolitik und dem Schulalltag diskutiert, darunter das Pilotprojekt des hessischen Kultusministeriums zur Qualifizierung von Schulleiterinnen und Schulleitern.

Der VBE Hessen hält eine Qualifizierung von Schulleiterinnen und Schulleitern grundsätzlich für sehr wichtig. Das vorliegende Konzept zur Fortbildung lehnt er aber entschieden ab: „Das Konzept atmet den Geist der Unternehmensberatungen, die offensichtlich daran mitgeschrieben haben“, begründet Stefan Wesselmann, Vorsitzender des VBE Hessen. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass der Begriff „Kollegium“ nicht auftaucht, sondern nur von „Führungskräften“ und „Mitarbeitern“ die Rede ist.

Durchregieren von oben statt kollegial entscheiden?
Diese Wortwahl zeugt aus Sicht des VBE Hessen von einer absoluten Unkenntnis des Arbeitsalltags der Lehrerinnen und Lehrer, wo Entscheidungen nicht hierarchisch, sondern im Kollegium gefällt werden: „Die gesetzlichen Rechte von Gesamt- und Schulkonferenzen sind in den Fortbildungsmodulen ebenso wenig erkennbar wie die Mitbestimmungsrechte der Lehrkräfte. Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Kultusministerium künftig auf diesem Wege über die Schulleitungen bis zur Unterrichtsebene `durchregieren´ will“, konstatiert Wesselmann. Auch die Tatsache, dass die Hessische Lehrkräfte-akademie die Heraeus Bildungsstiftung als Projekt-Partner auserkoren hat, wirft aus Sicht des VBE Hessen Fragen auf: „Was versprechen sich Stiftungen von diesem finanziellen Engagement? Ist es gar in Ihrem Sinne, wenn Schulen vom Kultusministerium regiert werden?“, so Wesselmann.

Inklusion spielt im Konzept keine Rolle
Unverständlich sei außerdem, warum zentrale Begriffe wie Inklusion, inklusive Beschulung und individuelle Förderung im Konzept nicht erwähnt werden. „Mit Schule und Pädagogik hat dieses Konzept nichts zu tun“, kritisiert der VBE-Vorsitzende.

Manifest gegen Aggressivität in Sprache und Umgangsformen
Auf der Tagung des Landesvorstands hat der VBE Hessen außerdem beschlossen, das Manifest „Haltung zählt“ des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zu unterstützen. Der BLLV (welcher der bayerische Landesverband des VBE – Verband Bildung und Erziehung ist) erhebt darin die Stimme gegen die zunehmende Aggressivität in Sprache und in Umgangs-formen – in der Politik, den Medien und auch in der Schule. So heißt es im Manifest: „Wir Lehrerinnen und Lehrer müssen dem entgegenwirken – und wir können das auch. Denn in der Schule sitzt die Gesellschaft von morgen. Wir Erwachsene sind ihre Vorbilder. Zugleich dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wenn wir destruktive Umgangsformen in der Schule erleben.“
„Mit diesem Manifest macht der BLLV auf eine Entwicklung aufmerk-sam, die wir seit Jahren beobachten und die sich jetzt – mit der Ankunft der Flüchtlinge im Land und in den Schulen – leider zuspitzt“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann. „Weil wir aber weder Rücksichtslosigkeit und Brutalität noch eine Radikalisierung in unserer Gesellschaft möchten, unterschreiben wir das Manifest unserer bayerischen Kolleginnen und Kollegen ohne Wenn und Aber.“

Das Manifest im Wortlaut und mehr Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten des BLLV:
http://www.bllv.de/Manifest-gegen-die-Verrohung-der-Sprache.12331.0.html

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