Mehr Studienplätze für das Lehramt sind gut – eine Reform der Ausbildung wäre noch besser

Mehr Studienplätze für das Lehramt sind gut – eine Reform der Ausbildung wäre noch besser

VBE Hessen begrüßt überfällige Aufstockung der Studienplätze +++ Studieninhalte müssen an die Realität angepasst werden +++ Lehrerberuf an Grundschulen bleibt im Vergleich zum Gymnasium unattraktiv

„Endlich packt das Kultusministerium das Problem des Lehrermangels einmal grundlegend an“, kommentiert Stefan Wesselmann, Vorsitzender des VBE Hessen, die Nachricht, dass die Zahl der Studienplätze für das Lehramt an den Universitäten in Hessen erhöht werden soll.

Der Mangel an Lehrerinnen und Lehrern ist ein massives Problem für die Schulen. Zwar hat die Landesregierung seit 2016 knapp neue 2000 Stellen geschaffen, doch können rund 300 Stellen derzeit nicht besetzt werden. Das Kultusministerium hat daher gestern ein „3-stufiges Maßnahmenpaket“ vorgelegt. Dieses sieht – kurzfristig – den Einsatz von pensionierten Lehrkräften vor, mittelfristig die Qualifizierung von Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrkräften für den Unterricht in der Grundschule sowie langfristig mehr Studienplätze.

Lehrerausbildung muss der Realität angepasst werden
Der VBE Hessen begrüßt ausdrücklich die Gespräche des Kultusministeriums mit dem Wissenschaftsministerium und den hessischen Universitäten. Gleichzeitig mahnt der Vorsitzende Wesselmann: „Es geht nicht allein um Quantität, sondern auch um Qualität. Das heißt, die Lehrerausbildung muss dringend verbessert und den Realitäten angepasst werden.“ Inklusiver Unterricht zum Beispiel verlangt nach multiprofessionellen Teams. Das Studium berücksichtigt diese veränderte Arbeitsweise aber nicht ausreichend, Lehrkräfte werden eher zu „Einzelkämpfern“ ausgebildet.
In der Schule geht es nicht nur um Fachunterricht
Außerdem dürfen über den Fachunterricht nicht andere Themen vergessen werden, u.a. der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, Unterricht an der Ganztagsschule, Elternarbeit, Deutsch als Zweitsprache. „Auf all diese neuen Herausforderungen werden die jungen Leute völlig unzureichend vorbereitet“, kritisiert Wesselmann. „In der Lehrerausbildung gewinnen sie offenbar immer noch den Eindruck, dass Schule nur Wissen vermittelt und dass ihre Arbeitszeit um 13 Uhr endet. Im Arbeitsalltag erleben sie dann, wie viel Erziehungsarbeit sie leisten müssen, die weit über die Unterrichtszeit hinaus geht.“

Unis müssen das Geld in die Fachdidaktik investieren
Die Politik müsse ferner sicherstellen, dass die Fachbereiche an den Universitäten das Geld, das sie für die Lehrerausbildung zugewiesen bekommen, auch tatsächlich in die Fachdidaktik und die dazugehörigen Dozenten investieren – und nicht für andere Zwecke ausgeben, wie es leider häufig der Fall ist. „Für manche Uni ist die Lehrerausbildung ein 5. Rad am Wagen. Das passt nicht zu dem Anspruch, die Besten in den Lehrerberuf zu holen“, stellt Wesselmann klar.

Lehramt an der Grundschule unattraktiver als an Gymnasien
Ein Problem löst sich aus Sicht des VBE Hessen auch mit einer besseren Lehrerausbildung nicht: die mangelnde Attraktivität des Berufs als Grundschullehrerin/Grundschullehrer. Mit 29 Stunden haben sie die höchste Unterrichtsverpflichtung, gleichzeitig verdienen sie deutlich weniger als die Lehrkräfte an anderen Schulformen. So haben Gymnasiallehrkräfte die geringste Unterrichtsverpflichtung bei höchster Besoldung. Ihnen gegenüber sind auch Haupt-, Real- und Förderschullehrer benachteiligt.
„Die Arbeit der Lehrkräfte an den verschiedenen Schulformen ist zwar nicht gleichartig, aber sie ist gleichwertig“, stellte Wesselmann klar. Deshalb müsse es für alle die gleiche Besoldung zum Berufseinstieg (A 13 für alle) und an allen Schulen Möglichkeiten zur Beförderung geben. Eine Beförderung unterhalb der Schulleitung (z.B. zum Oberstudienrat oder Studiendirektor) ist bislang nämlich nur an Gymnasien möglich – was diese Schulform für viele angehende Lehrkräfte deutlich attraktiver macht als andere.

Hinweis:
Zu dem Vorhaben, Pensionäre an die Schulen zurück zu holen und Lehrkräfte anderer Schulformen für den Einsatz in der Grundschule fortzubilden, hat sich der VBE Hessen in seiner PM vom 26.01.17 geäußert (wir hängen die PM ebenfalls dieser Mail an).

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