Masken sind gut – angemessene Schulgebäude wären besser

Masken sind gut – angemessene Schulgebäude wären besser

(13.08.2020) Fünf Monate nach der Schließung der Schulen wagt die Landesregierung ab Montag die „weitgehende Rückkehr zum Normalbetrieb“. Die damit verbundene und heute offiziell verkündete Maskenpflicht begrüßt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen: „Eine klare Vorgabe ist besser als die vorige Ansage, dass jede Schulleitung individuell entscheiden soll. Denn die Schulleitungen hätten bei diesem kontroversen Thema, das sowohl Lehrerschaft als auch Elternschaft spaltet, am Ende immer den Schwarzen Peter“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Ergebnis von Knausrigkeit
Auch aus Gründen des Gesundheitsschutzes hält der VBE Hessen die Maskenpflicht für gerechtfertigt, da andere Abstands- und Hygieneregeln an den meisten Schulen nur schwer einzuhalten sind. „Die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems fällt uns hier mal wieder vor die Füße“, kritisiert Wesselmann.
Denn Tatsache ist: Wir müssten uns nicht so viele Gedanken um Masken und Abstandsregeln machen, wenn die Klassen nicht so voll, die Klassenräume nicht in Größe und Anzahl zu knapp bemessen wären und nicht hygienisch fragwürdige Zustände herrschen würden wie fehlende Waschbecken oder Fenster, die sich nicht öffnen lassen. „Es ist daher allerhöchste Zeit, Schulen angemessen und alltagstauglich zu bauen!“, fordert der VBE-Landesvorsitzende.

Das pädagogische Herz will Bildung
Positiv wiederum bewertet der VBE Hessen die Möglichkeit für Schulen, in der Schulkonferenz gegen das Tragen von Masken zu entscheiden, zum Beispiel weil dank der räumlichen Gegebenheiten notwendige Abstände eingehalten werden können: „Eine Maskenpflicht an einer kleinen Grundschule mit wenigen Kindern, einem großzügigen Gelände und mehreren Ein- und Ausgängen wäre nur schwer zu vermitteln.“

Grundsätzlich wird die Rückkehr aller Kinder und Jugendlichen an die Schulen in den Kollegien zwiespältig gesehen, weiß der VBE-Landesvorsitzende. Viele Lehrkräfte sind hin und her gerissen zwischen Sorgen um die Gesundheit und dem Wunsch nach Bildung für die Schüler/innen – vor allem für diejenigen, die von ihren Eltern keine Unterstützung beim Lernen zu Hause bekommen (können). Wesselmann weiß von Kolleginnen und Kollegen, die trotz Zugehörigkeit zu Risikogruppen wieder in den Präsenzunterricht streben. „Das pädagogische Herz sagt bei sehr vielen: Wir wollen unsere Schüler/innen wieder in der Schule haben!“

Sekundarstufen: mehr Lerngruppen, höheres Risiko
Dass es ein „Null-Risiko“ nicht gibt, wie der Kultusminister heute auf der Pressekonferenz der Landesregierung betont hat, ist auch dem VBE Hessen bewusst. Dennoch muss der Politik klar sein, dass das Risiko an manchen Schulen und für manche Lehrer/innen deutlich größer ist als anderswo: „Man denke nur an die weiterführenden Schulen, wo die Lehrkräfte ständig die Klassen bzw. Lerngruppen wechseln und sich mit bis zu 30 Schülern in kleinen Räumen aufhalten“, erinnert Wesselmann.

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