Mangelnde Wertschätzung des Lehrerberufs  ist wesentlicher Grund für Lehrermangel

Mangelnde Wertschätzung des Lehrerberufs ist wesentlicher Grund für Lehrermangel

Am 5. Oktober ist Weltlehrertag. Die Bildungsinternationale – also die globale Dachorganisation der Bildungsgewerkschaften – stellt ihn in diesem Jahr unter das Motto: „Lehrkräfte wertschätzen, ihren Status verbessern“ („Valuing Teachers, Improving their Status“).

Bildungspolitik ohne Realitätsbezug
„Gute Bildung kostet gutes Geld, das schließt die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer ein“, stellt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen heraus. Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann, ergänzt: „Ein wertschätzender Umgang setzt eine Empfänglichkeit für die Bedürfnisse des Gegenübers voraus. Die Politik ist aber oft so weit entfernt von dem Alltag an der Schule, dass Entscheidungen ohne Realitätsbezug getroffen werden.“

Zu wenig Unterstützung für die Inklusion
In einer im Februar veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des VBE zur Zufriedenheit im Lehrerberuf gaben 85 Prozent der Befragten an, dass sie es als besonders belastend ansehen, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den Schulalltag nicht beachte. Der Landesvorsitzende des VBE Hessen, Stefan Wesselmann, stellt vor allem die mangelhafte Umsetzung der Inklusion heraus: „Die Verantwortung für das Gelingen wird einfach bei den Lehrkräften abgeladen, mit wenig Unterstützung und ohne Zeit.“ Der VBE- Bundesvorsitzende Beckmann kommentiert: „Es könnte so einfach sein. Wenn die Politik ihren Worten auch Taten, also die notwendigen personellen und sächlichen Ausstattung, folgen lassen würde. Anstatt in Sonntagsreden Luftschlösser zu entwerfen, einfach Schulen bauen.“

Arbeitsbedingungen gefährden die Gesundheit
Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf also, die steigende Heterogenität der Lerngruppen und die Integration von Flüchtlingen sind Herausforderungen an die Schule, die es nach Politikwillen gleichzeitig und ohne übermäßige, zusätzliche Ressourcen zu bewältigen gilt. „In der Politik herrscht eine große Selbstverständlichkeit darüber, was Lehrkräfte allein, in zu kleinen Schulräumen mit zu großen Lerngruppen alles zu schaffen haben. Das ist nicht nur eine Gefahr für die Lehrergesundheit, sondern schadet auch dem Image des Lehrerberufs“, warnt Beckmann.

Gründe für den Lehrermangel
Aber gerade in Zeiten des Lehrermangels sollte der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden. Mindestens 30 000 Lehrkräfte fehlen derzeit deutschland-weit, in Hessen ist die Situation vor allem bei den Förderschullehrkräften dramatisch. Der Landesvorsitzende des VBE Hessen, Wesselmann, kommentiert: „Mit der bundesweit höchsten Unterrichtsverpflichtung bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Besoldung gewinnt man nicht die Besten eines Jahrgangs für den Lehrerberuf.“ „Es braucht bessere Konditionen, um Anreize zu setzen, in der Schule zu unterrichten. Alle Lehrer müssen verbeamtet werden, und Lehrkräfte müssen unabhängig von Schulform und Schulstufe gleich bezahlt werden“, fordert der VBE-Bundesvorsitzende.

Ein Termin zum Vormerken für Ihre Redaktion:

Die mangelnde Wertschätzung gegenüber Lehrinnen und Lehrern wird den VBE Hessen auch auf seiner Landesvertreterversammlung (LVV) im Mai 2017 in Fulda beschäftigen. „Stark gefordert! Gering geschätzt?“ lautet das Thema der LVV. Über den Alltag der Lehrkräfte im Spannungsfeld zwischen Unterricht, Erziehung und Bürokratie wird der VBE Hessen am 12.05. mit Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz und den bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen im hessischen Landtag diskutieren.
Sie sind herzlich eingeladen, an diesem öffentlichen Teil der LVV teilzunehmen. Falls Sie sich akkreditieren möchten, können Sie dies gerne über unsere Geschäftsstelle tun (info@vbe-hessen.de, Telefon: 06182–897510)

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