Kooperation mit DITIB: „Verlängerung einer unbefriedigenden Hängepartie“

Kooperation mit DITIB: „Verlängerung einer unbefriedigenden Hängepartie“

(20.02.2019) Mit Verwunderung reagiert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen auf die heutige Ankündigung des Hessischen Kultusministers, dass „DITIB HESSEN” bis zum Jahresende die Möglichkeit bekommt, die bereits abgegebene Stellungnahme bezüglich des Nachweises der Unabhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde nachzubessern.

DITIB hatte bereits Zeit genug
„Wenn Kultusminister Lorz feststellt, dass weiterhin deutliche Zweifel an der grundsätzlichen Eignung von DITIB Hessen als Kooperationspartner für einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht (IRU) bestehen, dann lässt das aus unserer Sicht nur den Schluss zu, dass die Kooperation zu beenden ist”, fordert Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des VBE Hessen, endlich Konsequenzen ein, vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass für die Stellungnahme bereits ein Jahr Zeit gewährt wurde. „Ein weiteres Jahr Ungewissheit ist für die betroffenen Lehrkräfte und für diejenigen, die derzeit als Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet werden, schlicht eine Zumutung”, so Wesselmann, der den Aufschub als „Verlängerung einer unbefriedigenden Hängepartie” bezeichnete.

VBE befürwortet IRU grundsätzlich
Der VBE Hessen betont in dem Zusammenhang noch einmal deutlich, dass er die Einführung des islamischen Religionsunterrichts grundsätzlich für richtig hält. „Es muss aber auch sichergestellt werden, dass dieser vollständig auf dem Boden unseres Grundgesetzes und unserer Verfassung, ohne jegliche Einflussnahme des türkischen Staates stattfindet”, betonte der VBE-Landesvorsitzende. „Es ist gut, dass der Unterricht ausschließlich von Lehrkräften des Landes Hessen erteilt wird, die auf Grundgesetz und Verfassung ihren Diensteid geleistet haben. Es muss aber auch ausgeschlossen werden, dass über Schulungen und Fortbildungen, zu denen DITIB die Lehrkräfte lädt, quasi durch die Hintertür Einfluss im Sinne der Interessen des türkischen Staates genommen werde.”

VBE hält alternatives Angebot für sinnvoll
Die Erprobung eines neuen religiösen Unterrichtsangebotes für Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens wird vom VBE Hessen grundsätzlich begrüßt. „Auch wenn wir die Einzelheiten noch nicht kennen und daher auch nicht bewerten können, ist es auf jeden Fall sinnvoll, ein alternatives Angebot in alleiniger staatlicher Verantwortung zu konzipieren und erproben”, sagte der VBE-Landesvorsitzende zur Ankündigung des Ministers, ab Sommer ein Angebot für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 zu unterbreiten, die bis zur Klasse 6 den islamischen Religionsunterricht besucht haben. „Spannend wird dabei nicht nur die konkrete Ausgestaltung sein, sondern vor allem auch die Frage, wie dieser Unterricht von den Jugendlichen angenommen wird”, so Wesselmann abschließend.

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