Ja zur Inklusion –  aber mit Rücksicht auf das Kindeswohl!

Ja zur Inklusion – aber mit Rücksicht auf das Kindeswohl!

VBE Hessen bei der Anhörung des kulturpolitischen Ausschusses zur Novelle des Schulgesetzes +++ Gewerkschaft mahnt, bei allem Willen zur Inklusion nicht das Kindeswohl aus den Augen zu verlieren +++ VBE: Lernerfolg aller Schülerinnen und Schüler durch aktuelle Politik gefährdet

Bei der Anhörung des kulturpolitischen Ausschusses am heutigen Mittwoch hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen vor einer halbherzigen Umsetzung der Inklusion gewarnt. „Zu den Gelingensbedingungen für Inklusion gehört nicht nur ein Bekenntnis der Politik in Land, Kreis und Kommune, sondern auch ausreichend finanzielle Mittel“, stellte Stefan Wesselmann, Vorsitzender des VBE Hessen, klar.

Lernerfolg und Kindeswohl sind durch aktuelle Politik gefährdet
Wenn aber das für die Inklusion vorhandene Geld auf alle Schulen gestreut wird, setze sich nur die Tendenz „Masse statt Klasse“ fort: Die Qualität des (inklusiven) Unterrichts sowie der sonderpädagogischen Förderung wird weiter sinken, mit allen Folgen für den Lernerfolg und das Wohl der Kinder und Jugendlichen.

Schwerpunktschulen bewirken das Gegenteil von Inklusion
Andererseits ist es aus Sicht des VBE Hessen der falsche Ansatz, möglichst viele Kinder mit Förderbedarf aus einem Jahrgang in einer Klasse unterzubringen, wie das Gesetz es nahelegt. „Das würde dem Gedanken der Inklusion zuwiderlaufen“, so Wesselmann.
Aus demselben Grund müsse das Kultusministerium dafür sorgen, dass flächendeckend Schulen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten zu finden sein. Schwerpunktschulen dürften aber höchstens eine Übergangslösung sein, weil nur mit wohnortnaher Beschulung und einer guten Mischung aus Kindern mit und ohne Beeinträchtigung und unterschiedlichen Förderbedarfen Inklusion erreicht werden kann. Stattdessen fordert der VBE Hessen eine sonderpädagogische Grundausstattung an allen Schulen.

Für die Wahlfreiheit zwischen Regel- und Förderschule
Ferner hält es der VBE Hessen unbedingt für notwendig, Förderschulen im Sinne der Wahlfreiheit als Angebot für Kinder mit Förderbedarf zu erhalten. „Inklusion passt nicht für jedes Kind: Manche brauchen den Schonraum einer Förderschule und sehr spezielle Unterstützung, um Lernfortschritte zu machen.“ Hier sollten auch die Eltern aus Sicht des VBE Hessen ihr Kind und dessen Bedürfnisse genau im Blick im Blick haben: „Das Gegenteil von gut ist manchmal gut gemeint“, bringt es Wesselmann auf den Punkt.

Gesetzesentwurf spart das Thema Geld vorsorglich aus
Für all das braucht es mehr Lehrkräfte und mehr finanzielle Mittel – aber beides steht in Hessen leider nur eingeschränkt zur Verfügung. „Wenn im Gesetzentwurf vom Ressourcen-Vorbehalt nicht mehr die Rede ist, klingt das zunächst gut“, sagt der VBE-Vorsitzende Wesselmann. Doch angesichts der bisherigen Erfahrungen stehe eher zu befürchten, dass das Prinzip „Masse statt Klasse“ fortgesetzt wird.

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