Handschrift: mangelhaft. Ressourcen an Kita und Schule: ebenso

Handschrift: mangelhaft. Ressourcen an Kita und Schule: ebenso

Die Handschrift der Schülerinnen und Schüler sowie die Kompetenzen, die für die Entwicklung einer Handschrift notwendig sind, haben sich deutlich verschlechtert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter Lehrkräften, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut durchgeführt und heute in Berlin vorgestellt hat.
Als Problem nehmen die Lehrkräfte beispielsweise wahr, dass nur wenige Jugendliche in der Sekundarstufe 30 Minuten und länger beschwerdefrei schreiben können. Zudem stellen sie schulformübergreifend eine unleserliche Schrift und zu langsames Schreiben fest. Die repräsentativen Ergebnisse für Grundschulen in Hessen zeigen dieselben Tendenzen.

Basteln und Malen kommen zu kurz
Die Ursachen für Probleme mit der Handschrift erkennt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, vor allem in den mangelnden feinmotorischen Fähigkeiten vieler Kinder. „Basteln und Malen spielen leider in immer mehr Elternhäusern heute keine Rolle mehr.“

Der richtige Umgang mit Stift, Schere und Klebstoff sei jedoch eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Mitarbeit in der Schule. „Hier sind – stärker als früher – die Kitas gefordert. Aber dort herrscht akute Personalnot, und zwar schon länger als an den Schulen,“ kritisiert Wesselmann. Mit Blick auf bildungsferne Elternhäuser fordert der VBE-Landesvorsitzende: „Die Politik muss dafür sorgen, dass in allen Bildungseinrichtungen genügend Personal im Einsatz ist. Sonst zementieren wir die Chancenungleichheit!“

Üben braucht Zeit – Bildung braucht Zeit
Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann stellt mit Blick auf die Schulen fest: „Wie sollen Lehrkräfte den Kindern das Schreibenlernen beibringen, wenn ihnen schlicht die Zeit fehlt, sie individuell zu unterstützen? Wenn Kinder dann noch motorische Defizite aufweisen, geraten wir an die Grenze des Machbaren.“

Der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann ergänzt: „Handschreiben lernt man am besten durch Üben. Deshalb gilt auch bei diesem Thema wieder: Bildung braucht Zeit – um das aufzufangen, was Mädchen und Jungen heute nicht mehr selbstverständlich von zu Hause in die Schule mitbringen und all die Probleme zu lösen, die Politik bei Schule ablädt.“

Handschreiben unterstützt das Lesen und Verstehen
Dass das Handschreiben nicht in erster Linie als Kulturtechnik, die heute vielen Menschen womöglich verzichtbar erscheint, erhaltenswert ist, daran erinnert Dr. Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts: „Beim Handschreiben – das belegen zahlreiche Studien – geht es um Bildung. Denn Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“

Weitere Informationen zur Studie
Die Studie zur Handschrift trägt den Titel STEP 2019 (Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben).
Die wichtigsten Ergebnisse stehen in Chart-Form auf der Internet-Seite des VBE Bundesverbands bereit: https://www.vbe.de/service/meinungsumfragen/handschreiben-2019

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