Handeln statt hoffen! 12 Lehren aus Corona für die Schulen

Handeln statt hoffen! 12 Lehren aus Corona für die Schulen

(17.03.2022) Die Erwartung, dass das Infektionsgeschehen nachlässt, erfüllt sich bislang noch nicht. Niemand weiß, wie es weitergeht und welche Herausforderungen im Herbst auf die Schulen zukommen. Deshalb hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen heute zusammen mit dem VBE Bundesverband und den anderen 15 VBE-Landesverbänden „12 Lehren aus zwei Jahren Schule unter Corona-Bedingungen“ vorgelegt. Darin ist skizziert, was für Schulen in der Pandemie wichtig ist.

„Schnellschüsse gab es in der Vergangenheit mehr als genug und zu oft wurde auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Es ist an der Zeit für vorausschauendes Handeln der Politik, für verlässliche und klare Vorgaben. Nur so können Schulen den Schulbetrieb planen und nur so verhindern wir, dass immer wieder Klassen oder Schulen in den Distanzunterricht gehen müssen“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann und verweist auf das VBE-Positionspapier „Aus der Krise lernen“ aus dem Sommer 2021. Darin wurden bereits Forderungen an die Politik formuliert, mit dem Ziel, den Anspruch auf Gesundheitsschutz und Bildungsgerechtigkeit für das Personal an Schulen und alle Schüler/innen zu erfüllen.

Nun haben der VBE Bundesverband und die Landesverbände ihre Erfahrungen gebündelt und daraus „12 Lehren aus Corona“ abgeleitet. „Nach zwei Jahren Ausnahmezustand lassen wir die Aussage, dass eine Pandemie nicht planbar sei, nicht mehr gelten. Es gibt mittlerweile genügend wissenschaftliche Erkenntnisse – und Erkenntnisse, die wir in den Schulen, in der Praxis gewonnen haben“, sagt Wesselmann: „Wir wissen in den Bundesländern, wie man Schulen so vorbereiten kann, dass sie die Herausforderungen durch Corona künftig besser bewältigen können.“

Der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, betont: „Die Pandemie hat uns alle vor ungeahnte Herausforderungen gestellt, wie wir sie noch nie zuvor zu bewältigen hatten. Das gilt auch für Politikerinnen und Politiker. Auch ihnen kann man keine Perfektion abverlangen, wenn sie mit Situationen konfrontiert sind, die noch nie da gewesen sind. Der frühere Gesundheitsminister Spahn sprach davon, dass wir uns viel verzeihen werden müssen. Dazu sind wir bereit. Wir erwarten aber, dass die Politik jetzt, wo wir alle aus den Erfahrungen lernen mussten und konnten, alles unternimmt, um auf die nächste Welle vorbereitet zu sein.“

12 Lehren aus zwei Jahren Schule unter Corona-Bedingungen
- 12 Forderungen des VBE an die Politik

1. Die Politik muss für alle an Schule Beteiligten transparent und nachvollziehbar machen, auf welcher wissenschaftlichen Basis sie welche Entscheidungen getroffen hat!
2. Die Politik muss bei ihren Entscheidungen die Lebens- und Schul-realität besser beachten. Dafür müssen auch die Interessenvertretungen von Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräften in die Beratungen einbezogen werden, bevor Maßnahmen festgelegt werden!
3. Die Politik muss transparente Stufenpläne auf der Basis bundeseinheitlicher Kriterien entwickeln, welche Maßnahmen bei welchem Infektionsgeschehen zu ergreifen sind!
4. Die Politik muss Sorge dafür tragen, dass Vorgaben aus den Ministerien mit realistischem Vorlauf an die Schulen gegeben werden!
5. Die Politik muss in den Schulen einen bestmöglichen Gesundheitsschutz gewährleisten, wo erforderlich auch durch den Einsatz technischer Geräte, um Präsenzunterricht zu ermöglichen!
6. Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass Lehrkräfte nur für das eingesetzt werden, für das sie ausgebildet sind!
7. Die Politik muss die Leistung der Lehrkräfte anerkennen und sich schützend vor sie stellen.
8. Die Politik muss Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler anerkennen, statt sich nur auf kognitive Leistung zu fokussieren.
9. Die Politik muss das Bildungssystem dauerhaft mit Ressourcen ausstatten, sodass eine individuelle Förderung möglich wird. Sie muss zudem wirkungsvolle Strategien entwickeln, um pandemiebedingte kognitive und sozial-emotionale Defizite bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig auszugleichen. Eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften und multiprofessionellen Teams ist dafür unabdingbar.
10. Die Politik muss sicherstellen, dass dem Ausstattungsschub mit digitalen Endgeräten echte Innovation beim Lehren und Lernen folgt.
11. Die Politik muss das Kooperationsverbot durch eine in der Verfassung verankerte Verantwortungsgemeinschaft von Bund, Ländern und Kommunen ersetzen, um mehr Bildungsgerechtigkeit unabhängig vom Wohnort und sozioökonomischen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler gewährleisten zu können.
12. Die Politik muss dafür sorgen, dass so in Schulbauten investiert wird, dass in ihnen zeitgemäßes Lernen, Lehren und Schulleben zu jeder Zeit sicher möglich ist.

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