„Es geht nicht nur um Bildung, sondern auch um die seelische Gesundheit eines Kindes!“

„Es geht nicht nur um Bildung, sondern auch um die seelische Gesundheit eines Kindes!“

(13.02.2019) Nach zahlreichen Info-Abenden, Tagen der Offenen Tür und Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern steht in den Familien der Viertklässler nun eine wichtige Entscheidung an: Soll das Kind nach der Grundschule auf eine Haupt- und Realschule, eine Gesamtschule oder ein Gymnasium wechseln?

Eine Entscheidung, die sich die meisten Eltern nicht leicht machen, wie Stefan Wesselmann, der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen weiß. Und doch fällt sie am Ende nicht immer zum Wohle des Kindes. „Eltern wünschen sich für ihr Kind verständlicherweise die bestmögliche Bildung und einen Schulabschluss, der viele Berufswege offenhält“, sagt Wesselmann. „Dabei gehen manche Eltern leider bewusst das Risiko ein, dass ihr Kind überfordert ist – nach dem Motto: Wir probieren es mal, wechseln kann man ja immer noch.“

Der VBE-Landesvorsitzende appelliert daher an die Eltern, sich bei der Wahl der weiterführenden Schule bzw. Schulform nicht von eigenen Träumen und Wünschen leiten zu lassen: „Es geht nicht nur um Bildung – es geht auch um die seelische Gesundheit eines Kindes!“ Denn wenn ein Kind überfordert ist und eine Reihe von Misserfolgen erfährt, baut sich Frust auf, und eine Querversetzung oder Wiederholung erlebt das Kind erst recht als Niederlage.

Selbständigkeit so wichtig wie Noten
Der Wechsel an die weiterführende Schule ist für die allermeisten Kinder ein Einschnitt: Es gibt mehr Fächer und mehr Hausaufgaben, selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten wird vorausgesetzt. Daher sollten nicht die Noten aus der Grundschule allein ausschlaggebend für eine Entscheidung sein, und vor allem sollten Eltern dabei nicht nur die guten Noten im Blick haben. Denn sonst besteht die Gefahr, dass beispielsweise ein Kind am Gymnasium in seinen „schwächeren“ Fächern deutlich abrutscht. An einer Integrierten Gesamtschule mit dem Kurssystem dagegen können Kinder besser aufgefangen werden, die schwankende Leistungen erbringen oder die eben nicht in allen Fächern gut und sehr gut sind.

Empfehlung der Lehrkräfte ernst nehmen
Der VBE Hessen legt den Eltern ans Herz, die Empfehlung der Grundschul-lehrkräfte ernst zu nehmen. „Sie haben die Kinder in der Regel mehrere Jahre lang begleitet. Sie haben die Entwicklung des Kindes in den Unterrichtsfächern und in seinem Arbeits- und Sozialverhalten beobachtet und können Leistungs-vermögen und -bereitschaft sehr gut einschätzen, und das oft besser als Eltern, die ihr Kind beim Lernen nur ausschnittsweise erleben, beispielsweise bei den Hausaufgaben“, erläutert Stefan Wesselmann.

Querversetzung nicht ratsam – und nicht überall einfach
Eine weitere wichtige Erfahrung möchte der VBE Hessen außerdem an die Eltern weitergeben: „Wir erleben immer wieder, dass Schülerinnen und Schüler nach einer Querversetzung dauerhaft die Lust am Lernen verlieren und Versagensängste so groß sind, dass sie an der anderen Schule nicht unbedingt einen erfolgreichen Neustart hinlegen“, sagt der VBE-Landesvorsitzende.

Er rät Eltern deshalb dringend davon ab, bei der Schulwahl schon einen möglichen späteren Wechsel einzukalkulieren. Der Gedanke, dass man „die Treppe leichter hinunter fällt als hinauf“, sei außerdem ein Irrtum: „Das hessische Schulsystem ist inzwischen äußerst durchlässig. Nach jedem erfolgreichen Abschluss haben die jungen Menschen die Chance, den nächsthöheren Abschluss in Angriff zu nehmen“, so Wesselmann.

Umgekehrt ist jedoch – angesichts der hohen Schülerzahlen in manchen Städten und Gemeinden – ein Wechsel nicht immer einfach, zum Beispiel wenn die dann gewünschte Schule voll ist.

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