„Eltern sollten Schulwahl nicht von  eigenen Zukunftsträumen abhängig machen“

„Eltern sollten Schulwahl nicht von eigenen Zukunftsträumen abhängig machen“

Hauptschule, Realschule, Gesamtschule oder Gymnasium? Bis spätestens zum 5. März 2019 müssen Eltern der jetzigen Viertklässler entscheiden, welchen Bildungsgang ihr Kind nach der Grundschule anstreben soll und welche Schulform dafür am besten geeignet ist.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen appelliert an die Eltern, dabei das Wohl ihres Kindes im Auge zu behalten anstatt die Entscheidung von eigenen Träumen und Wünschen zur Zukunft des Kindes abhängig zu machen. „Gut gemeint ist nicht immer gut“, betont Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des VBE Hessen. Denn wenn ein Kind überfordert ist und eine Reihe von Misserfolgen erleben, baut sich Frust auf, und eine Querversetzung erlebt das Kind erst recht als Niederlage. „Die Erfahrung lehrt zudem, dass solche Kinder dauerhaft die Lust am Lernen verlieren und Versagensängste so groß sind, dass die Kinder an der anderen Schule nicht unbedingt einen erfolgreichen Neustart hinlegen“, sagt Wesselmann.

Selbständigkeit so wichtig wie Noten
An den weiterführenden Schulen erwarten die Kinder mehr Fächer und mehr Hausaufgaben – da sind Selbstorganisation und Eigenverantwortung gefragt. „Wer sich aber schwer damit tut, selbständig zu arbeiten und sich fürs Lernen zu motivieren, wird sich ab Klasse 5 erst recht schwer tun – egal wie die Noten bislang ausgefallen sind“, so Wesselmann. Eltern sollten ihre Entscheidung also nicht allein aufgrund der Noten treffen, und vor allem sollten sie nicht nur die guten Noten im Blick haben. Denn viele Kinder sind nicht in allen Fächern gleich leistungsstark, und in solchen Fällen besteht z.B. die Gefahr, dass Kinder am Gymnasium in den „schwächeren“ Fächern deutlich abrutschen, wohingegen Integrierte Gesamtschulen mit ihrem Kurssystem solche Unterschiede besser auffangen können.

Empfehlung der Lehrkräfte ernst nehmen
Der VBE Hessen legt den Eltern außerdem ans Herz, die Empfehlungen der Grundschullehrkräfte ernst zu nehmen. „Sie haben die Kinder in der Regel über mehrere Jahre beobachtet und begleitet, sie sehen die individuelle Entwicklung in den Fächern sowie im Arbeits- und Sozialverhalten und können Leistungsvermögen und -bereitschaft sehr gut einschätzen.“

Dass trotzdem Eltern immer wieder das Risiko eines Misserfolgs eingehen, liegt aus Sicht des VBE Hessen an dem Vorurteil, dass man die „Treppe leichter hinunter fällt als hinauf“. Ein Irrtum, wie der VBE-Landesvorsitzende meint: „Das hessische Schulsystem ist äußerst durchlässig. Nach jedem erfolgreichen Abschluss haben Schüler/innen die Chance, den nächsthöheren Abschluss in Angriff zu nehmen. Das heißt auch: Viele Wege führen zum Abitur – und der aussichtsreichste ist immer noch der über Erfolgserlebnisse.“

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