„Ein Schulkind sein, bedeutet selbständig  zu werden – ohne Handy und Elterntaxi!“

„Ein Schulkind sein, bedeutet selbständig zu werden – ohne Handy und Elterntaxi!“

Eine prall gefüllte Schultüte gehört zur Einschulung zweifellos dazu. Doch Eltern sollten nicht nur Süßigkeiten in die Tüte stecken, findet der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. So regt der VBE an, die Kinder auch mit einigen nützlichen Dingen für den Schulalltag zu überraschen: Buntstifte, Schere, Knete oder ein witziger Radiergummi werden Erstklässler in jedem Fall gebrauchen können, auch bei Trinkflaschen und Brotdosen gibt es eine große, bunte Auswahl.

Aber Vorsicht – nicht alles, was als „Schulbedarf“ angepriesen wird, ist auch sinnvoll: „Ein sechsstöckiger Wasserfarbkasten macht zwar ganz schön was her“, sagt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann mit einem Augenzwinkern, „aber der einstöckige Farbkasten mit zwölf Farbtönen reicht in der Regel völlig aus!“

Handys nicht Teil der Erstklässler-Grundausstattung
Eines gehört nach Meinung des VBE Hessen auf keinen Fall in die Schultüte: Handy oder Smartphone. Die Sorge vieler Eltern, ihr Kind könne sie ohne Mobiltelefon im Notfall nicht erreichen, hält Wesselmann mit Blick auf die Grundschule für unbegründet: „Sollte es einem Kind mal nicht gut gehen oder sollte es sich verletzt haben, benachrichtigt in jedem Fall die Schule die Eltern“, stellt der VBE-Landesvorsitzende klar. Dank des Konzepts der „verlässlichen Grundschule“ komme es auch nicht vor, dass Kinder vorzeitig und unangekündigt vor der Haustüre stehen. „Handys gehören definitiv nicht zur Grundausstattung eines Erstklässlers“, bringt Wesselmann es auf den Punkt.

Ausnahmen hält er für gerechtfertigt, wenn Kinder einen langen Schulweg alleine zurücklegen müssen, sehr ängstlich sind oder schon einmal belästigt wurden: „Dann kann ein Handy das Sicherheitsgefühl erhöhen. In anderen Fällen verhindert das Handy aber eher das Erlernen von Selbständigkeit.“ Falls Eltern ihrem Kind ein Handy mitgeben, sollte außerdem unbedingt die Schulordnung beachtet werden: In der Regel müssen Handys im Schulgebäude und auf dem -gelände ausgeschaltet und im Ranzen verstaut sein.

Es gibt einen weiteren Grund, warum der VBE Hessen Handys an der Schule strikt ablehnt: „Sie sind mittlerweile ein Statussymbol. Mit dem neuesten Marken-Smartphone gehörst du zu den Coolen, für ein altes Tastenhandy gibt es mindestens abschätzige Kommentare“, beschreibt Wesselmann eine häufig zu beobachtende soziale Ab- und Ausgrenzung in der Schülerschaft. Das aber ist aus VBE-Sicht kontraproduktiv für die Grundschulzeit, in der Mädchen und Jungen jeglicher sozialer und kultureller Herkunft unbefangen miteinander lernen sollten.

Schulweg üben statt Elterntaxi nehmen
Die Selbständigkeit ihres Kindes können Eltern auch unterstützen, indem sie es alleine zur Schule gehen lassen statt es mit dem Auto bringen. „Auf dem Schulweg erzählen Kinder einander viel, sie verabreden sich und entdecken die Umgebung anders als wenn Erwachsene dabei sind“, macht Wesselmann deutlich.

Der Verzicht auf das „Elterntaxi“ kommt nicht nur der Gesundheit der Kinder, sondern auch ihrer Sicherheit zugute: „Das morgendliche Auto-Gedränge vor den Schulen birgt Gefahren. Häufig halten Autos im Halteverbot, die Kinder müssen dann rasch aussteigen – und anderen ist die Sicht versperrt, wenn sie zum Beispiel die Straße überqueren wollen.“

Noch vor der Einschulung sollten Eltern daher mit ihrem Kind den Schulweg einüben und erklären, was zum Beispiel an Zebrastreifen und Ampeln zu beachten ist. Eine Möglichkeit ist auch, die Rollen zu tauschen: Dann lassen sich die Eltern vom Kind zur Schule führen. Es ist sinnvoll, das Kind in den ersten Tagen zur Schule zu begleiten und so zu prüfen, ob es den empfohlenen Weg nimmt und im Straßenverkehr aufmerksam ist. Nach einiger Zeit sollten die Eltern ihr Kind aber alleine gehen lassen.

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