"Die Politik muss das Wissen und die Erfahrung der Lehrkräfte wertschätzen!"

"Die Politik muss das Wissen und die Erfahrung der Lehrkräfte wertschätzen!"

Delegierte des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) aus ganz Hessen haben sich am 11./12. Mai zur Landesvertretersammlung in Fulda getroffen. Das Thema „Stark gefordert! Gering geschätzt?“ durchzog die Veranstaltung.

Leitantrag einstimmig verabschiedet
Die mangelnde Wertschätzung des Lehrerberufs ist aus Sicht des VBE ein wesentlicher Grund für den Lehrkräftemangel. Folglich benennt der VBE Hessen in einem Leitantrag, der einstimmig verabschiedet wurde, die Probleme in Lehrerausbildung, Fort- und Weiterbildung, bei den Arbeitsbedingungen (wie Inklusion, Integration, Ganztag) und der Bezahlung und stellt dazu Forderungen auf.
Auch andere Anträge der Delegierten griffen das Thema Gewalt gegen Lehrkräfte, das zu geringe Budget für Fortbildungen sowie die ständig steigenden Arbeitszeiten der Lehrkräfte durch neue, v.a. außerunterrichtliche Aufgaben auf.

VBE-Bundesvorsitzender fordert Wertschätzung ein
Im öffentlichen Teil der Veranstaltung erinnerte zunächst der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, an eine forsa-Umfrage, derzufolge die größte Belastung für 85 Prozent der Lehrkräfte ist, dass Politiker bei ihren Entscheidungen den Schulalltag nicht beachten.
Wertschätzung zeige sich aber gerade darin, „Wissen und Praxiserfahrung im Vorfeld politischer Entscheidungen zu nutzen und dann Anspruch und Realität in Einklang zu bringen“, so Beckmann.
Ferner drücke sich Wertschätzung in angemessenen Ressourcen (z.B. für Inklusion und Integration), in der Vorbereitung auf die täglichen Herausforderungen durch Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie in einem verantwortungsvollen und anerkennenden Umgang des Dienstherrn mit seinen Beschäftigten aus – wozu außer anständiger Bezahlung auch der Schutz vor Gewalt gehöre.

Einigkeit auf dem Podium: Lehrer sind stark belastet
Die Bildungspolitiker auf dem Podium stimmten zu, dass die Fülle an außerunterrichtlichen Aufgaben, die jenseits der Unterrichtsstunden zu erledigt werden müssen sowie die damit häufig verbundene Bürokratie die Schulen vor Probleme stellt. Allerdings könne man auf keine dieser Aufgaben (u.a. Konferenzen, Konzepte für Neue Medien und Ganztag, Elterngespräche, Förderplane) verzichten. Die Politiker zeigten sich dagegen gesprächsbereit, was die Vereinfachung und Entbürokratisierung bestimmter Abläufe und Aufgaben angeht.

Definition der außerunterrichtlichen Aufgaben notwendig
Der Landesvorsitzende des VBE Hessen, Stefan Wesselmann, forderte daraufhin, die Berechnung der Arbeitszeit der Lehrkräfte vom Kopf auf die Füße zu stellen: „Statt willkürlich die Pflichtstunden festzulegen, sollte die Politik die außerunterrichtlichen Aufgaben definieren und deren Umfang abschätzen. Wenn wir diese Stunden dann von der Wochenarbeitszeit abziehen, sehen wir, wie viel Zeit einer Lehrkraft für den Unterricht bleibt.“ So könne man auch leichter den Lehrerinnen und Lehrern in Teilzeit gerecht werden.

Strafverschärfung und Leitfaden für Fälle von Gewalt
Einigkeit herrschte auf dem Podium auch beim Thema Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer. Verbale und körperliche Übergriffe aus der Schülerschaft oder von Seiten der Eltern seien absolut inakzeptabel. Bedauerlich sei zudem, dass solche Vorfälle oft nicht weiter verfolgt werden, weil viele Schulleitungen und Schulämter juristische Auseinandersetzungen mit den Eltern scheuen.
Ein Gesetz, das schärfere Strafen bei Gewalt gegen Lehrer und Lehrerinnen vorsieht, hätte immerhin symbolischen Wert, „weil der Dienstherr damit seinen Rückhalt und seine Wertschätzung für die Landesbediensteten ausdrücken würde“, so VBE-Landesvorsitzender Wesselmann: „Im Alltag wäre allerdings ein Leitfaden wirksamer, der genau regelt, wer im Falle von Gewalt was zu tun hat.“ Denn die Wertschätzung, die der Kultusminister in zahlreichen Gesprächen mit dem VBE Hessen gegenüber der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer zeige, fehle oft in den nachgeordneten Behörden, wie z.B. den Staatlichen Schulämtern.

Alter und neuer Landesvorsitzender: Stefan Wesselmann
Ein wichtiger Tagesordnungspunkt im dichten Programm war außerdem die Neuwahl der Landesleitung, welcher der Landesvorsitzende, seine Stellvertreter und Stellvertreterinnen sowie Kassenwartin und Schriftführer angehören. Der VBE- Landesvorsitzende Stefan Wesselmann wurde im Amt bestätigt, ebenso seine Stellvertreterinnen Christel Müller und Anke Schneider. Neu dabei sind Angela Tüncher und Markus Wolf (siehe auch das separate Dokument „Die neue Landesleitung“).

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