„Die Personalplanung für die Schulen  darf nicht länger im Blindflug geschehen“

„Die Personalplanung für die Schulen darf nicht länger im Blindflug geschehen“

Der VBE Hessen bekräftigt die Kritik der aktuellen Bertelsmann-Studie zum Lehrermangel an Grundschulen. Darin wird v. a. moniert, dass die Personalplanung für die Schulen völlig am tatsächlichen Bedarf vorbeigehe. Denn als Grundlage der Berechnungen wird die Zahl der Studienanfänger im Lehramt herangezogen. Nach Schätzungen machen aber gut 10 Prozent nicht den Abschluss.

Der VBE Hessen geht davon aus, dass auch hierzulande der Bedarf an Lehrkräften anhand unvollständiger und veralteter Erhebungen ermittelt wird. „Die Folgen bekommen wir seit Jahren zu spüren“, kommentiert Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des VBE Hessen.

Viele freie Stellen können nicht mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Das Hessische Kultusministerium (HKM) bemüht sich zwar, die Lücke durch den Einsatz von pensionierten Lehrkräften sowie die Qualifizierung von Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrkräften für den Einstieg ins Grundschullehramt zu schließen. Außerdem hat sich das HKM erfreulicherweise mit den Universitäten auf eine Aufstockung der Studienplätze geeinigt. „Doch wenn der Kultusminister es ernst meint, darf die Bedarfsplanung nicht weiter im Blindflug geschehen“, stellt Wesselmann klar. „Dann müssen endlich solide Zahlen her, sowohl zu den Schülerinnen und Schülern als auch zu den Studienanfängern und -abbrechern und den Absolventen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass es Jahre dauert, bis die jetzigen Lehramtsstudierenden an den Schulen ankommen.“

Skepsis gegenüber kurzfristigen Maßnahmen gegen Lehrermangel
Die Vorschläge aus der Bertelsmann-Studie, wie der Lehrermangel kurzfristig gelindert werden könnte, beurteilt der VBE Hessen skeptisch. So ist es angesichts der schon vorhandenen Belastung der Lehrkräfte an den Grundschulen kaum vorstellbar, dass diese freiwillig Mehrarbeit leisten. Zudem haben die Lehrerinnen und Lehrer in Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern die höchste Zahl an Pflichtstunden. „Aus diesen Gründen dürfte diese Idee bei den Lehrerinnen und Lehrern nur fassungsloses Kopfschütteln auslösen – auch wenn sie für die Autoren naheliegend ist“, so Wesselmann.

Die Aussicht auf ausreichend qualifizierte Seitensteiger sei ebenfalls eher trübe – angesichts der Tatsache, dass an hessischen Schulen derzeit mehrere tausend Personen ohne pädagogische Ausbildung Unterricht, Betreuung und Aufsicht sichern.

Genauso wenig ersetzt der Einsatz von Pensionären aus VBE-Sicht eine verlässliche Personalplanung für die Schulen. Allerdings kann der Landesvorsitzende der Idee, die Pensionäre mit all ihrem Erfahrungsschatz an den Schulen zu halten, unter bestimmten Bedingungen etwas abgewinnen: „Für den Lehrernachwuchs und vor allem für die Seiteneinsteiger brauchen wir dringend Mentoren und Unterstützer. Dort könnten wir die Pensionäre sinnvoll einsetzen – sofern sie das möchten.“

Der VBE Hessen hat in den vergangenen Monaten bereits zum Einsatz von Pensionären, zur Aufstockung der Studienplätze für das Lehramt sowie zu den Vertretungskräften Stellung bezogen. Die PM zu diesen Themen finden Sie in der Rubrik „Pressemitteilungen“.

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