„Die Lehrkräfte an den Grundschulen  sind sprachlos und verärgert!"

„Die Lehrkräfte an den Grundschulen sind sprachlos und verärgert!"

(24.04.2020) Anders als geplant bleiben die Grundschulen ab der kommenden Woche doch geschlossen. Das hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel entschieden, nachdem eine Schülerin aus Frankfurt einen Eilantrag gegen die Verordnung der Landesregierung gestellt hatte.

Der Beschluss ist unanfechtbar – und wirft alle Pläne der Grundschulen für den Präsenzunterricht ab der kommenden Woche über den Haufen. In der zurückliegenden Woche kamen täglich neue Informationen aus dem Kultusministerium und von den Staatlichen Schulämtern, die Schulen haben sich unter enormem Zeitdruck und trotz verbleibender Unsicherheiten auf die Rückkehr der Viertklässler vorbereitet: Klassen in Lerngruppen eingeteilt, passende Stundenpläne erstellt, die Vorgaben zur Hygiene in für Kinder verständliche Regeln übersetzt (z.B. für Pausenspiele und den Gang zur Toilette), Tische und Bänke umgeräumt, die Aufgaben für Präsenzunterricht und das Lernen zuhause unter den Lehrkräften aufteilt usw.

Zahlreiche Lehrkräfte hatten zudem keine Aussicht auf die Betreuung ihrer eigenen Kinder – bis heute Mittag Kultusminister Lorz verkündete, dass nun auch diese die Notbetreuung besuchen dürfen.

„In diese angespannte Lage platzt zu allem Überfluss die Nachricht vom Gerichtsbeschluss und müssen wir erneut umplanen. Wir sind sprachlos und verärgert!“, beschreibt der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Stefan Wesselmann die Stimmung an den Grundschulen.

Hygiene-Regeln an Grundschulen kaum einhaltbar
Der VBE Hessen hatte die frühe Rückkehr der Schulen von Anfang skeptisch gesehen, da die Vorgaben zu Hygiene und Abstand vor allem unter Grundschulkindern kaum einzuhalten und zu kontrollieren sind. Zudem gehörten zum Unterricht an der Grundschule Gruppenarbeit und ein enger Kontakt zwischen Lehrkraft und Kindern unbedingt dazu – ein Widerspruch zu den Abstandsregeln also. Aus pädagogischer Sicht sind Masken und Mundschutz zudem ein Störfaktor in der Kommunikation. Insofern sieht der VBE Hessen die vorläufige Aufhebung der Schulpflicht für Viertklässler nicht nur negativ“, stellt der Landesvorsitzende klar. Das Hin und Her aber zerre an den Nerven aller Beteiligten.

Gründlichkeit muss vor Schnelligkeit gehen
„Gründlichkeit vor Schnelligkeit: Das wäre uns lieber gewesen“, kommentiert Wesselmann die Tatsache, dass der Berichtsbeschluss offenbar möglich wurde, weil die Verordnung mit heißer Nadel gestrickt worden war und somit Angriffspunkte bot. „Der Beschluss des Gerichts ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts völlig übereilt war.“

Im Laufe dieser Woche konnten die Schulen schon miterleben, dass das HKM die Informationen zu Hygiene und digitalem Unterricht nicht so schnell zur Verfügung stellen konnte wie es für die Schulen notwendig gewesen wäre. „Nun warten wir wieder einmal – und zwar darauf, dass das Kultusministerium Klarheit schafft und erläutert, was die Entscheidung für Schulen, Kinder und Eltern bedeutet.“

Artikel als PDF downloadenDrucken