Die Ferienakademie: kostenlos, aber auch umsonst!

Die Ferienakademie: kostenlos, aber auch umsonst!

(11.08.2020) „Die vom Hessischen Kultusministerium finanzierte Ferienakademie ist nicht mehr als eine Beruhigungspille für besorgte Eltern – allerdings wirkt sie nicht einmal“, kommentiert der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, den Besuch von Kultusminister Lorz in einer Ferienakademie an einer Gesamtschule im Taunus.

Gedacht war die Ferienakademie für alle Schüler/innen der Jahrgangsstufen 1 bis 8, die Lerninhalte aus der Zeit der Schulschließungen und des Distanzunterrichts nacharbeiten möchten. Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit hat der VBE Hessen diese Idee begrüßt, da viele Eltern aus Zeitmangel, wegen fehlender Sprachkenntnisse oder aus anderen Gründen ihre Kinder beim Lernen Zuhause nicht unterstützen konnten oder sich schlicht nicht gekümmert haben.

Allerdings hat das HKM das Angebot der Ferienakademie so knapp vor den Sommerferien bekannt gemacht, dass die Informationen genau diese Familien nicht mehr erreichen konnten – oft gerade diejenigen, bei denen die Schulschließungen besondere Lücken gerissen haben.

„Bei anderen Eltern wiederum wurden Erwartungen geweckt, die schlicht nicht erfüllbar waren, beispielsweise individuelle Förderangebote oder Englisch für die erste Klasse“, sagt Stefan Wesselmann und verweist auf die für die Ferienakademie engagierten Honorarkräfte, zu denen allen voran Studierende zählen, die naturgemäß keine Berufserfahrung haben.

Die Kritik der Eltern kam deshalb vielerorts prompt, manche haben ihre Kinder sogar vorzeitig abgemeldet – was deutlich macht, dass die Ferienakademie vor allem von jenen Familien in Anspruch genommen wurde, die sich auch während der Schulschließung intensiver um das Lernen der Kinder gekümmert haben als andere. Die Bilanz des VBE-Landesvorsitzenden fällt daher ernüchternd aus: „Die Ferienakademie ist zwar kostenlos – aber leider auch umsonst.”

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