Der Digitalpakt kommt – aber es  bleiben viele offene Fragen

Der Digitalpakt kommt – aber es bleiben viele offene Fragen

(21.02.2019) Der VBE Hessen ist froh, dass nach der Einigung im Vermittlungsausschuss heute der Bundestag der Grundgesetzänderung zugestimmt hat. „Allerdings gibt es keinen Grund zur Euphorie“, sagt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. Denn mit dem einmaligen Geldsegen des Bundes sind längst nicht alle Probleme gelöst.

Wichtig sei, den Einsatz von digitalen Medien in den Schulen dauerhaft zu sichern: „Dafür braucht es jährlich einige Milliarden Euro, zum Beispiel für regelmäßige Neuausstattungen, den technischen Support, Software-Lizenzen und Fortbildungen“, stellt Wesselmann klar. Außerdem müsse das Kultusministerium unbedingt Standards für die IT-Ausstattung der Schulen definieren, damit die bestehenden Unterschiede zwischen den Schulen nicht noch größer werden. „Bislang fährt hier leider jeder Schulträger sein eigenes Programm.“

Bedarfsgerechte Fortbildungen
Mit Blick auf die Lehrkräfte fordert der VBE Hessen Fortbildungen, die vor Ort angeboten werden und die unterschiedlichen Bedarfe berücksichtigen: „Eine Lehrkraft, die Erstklässler an die Möglichkeiten von PCs heranführt, braucht eine andere Schulung als eine Gymnasiallehrkraft, die Tablets als Arbeitsmittel einsetzt“, so Wesselmann.

Datenschutz als Hindernis
Außerdem müsse Digitalisierung im Schulalltag in vielen Punkten zu Ende gedacht werden – vor allem mit dem Datenschutz gibt es viele Kollisionen. „Wenn das Kultusministerium den Lehrkräften einerseits verbietet, über WhatsApp mit den Eltern zu kommunizieren, muss es andererseits sichere Alternativen ermöglichen. Denn Fakt ist: Über die Ranzenpost sind viele Eltern heutzutage schlechter erreichbar als über Messenger-Dienste.“

Ein anderes Beispiel ist die digitale Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, verbunden mit der Leistungserfassung von Schülerinnen und Schülern, die Lehrkräften eigentlich die Arbeit erleichtert soll: Aus Datenschutz-Gründen können die erfassten Noten dann nicht zu Zeugnissen weiterverarbeitet werden, sondern müssen am Ende doch wieder von Hand in andere Dateien übertragen werden, weil Lehrkräften in der Regel kein datenschutzkonformer PC-Arbeitsplatz zur Verfügung steht. „Das ist absurd und nicht mehr zeitgemäß“, kritisiert der VBE-Landesvorsitzende und fasst zusammen: „Aktuell gibt es mehr Fragen als Antworten. Wir hoffen, diese möglichst bald aus dem Kultusministerium zu bekommen.“

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