Das neue Testheft: Noch mehr Aufwand für Dokumentation, noch weniger Zeit für Unterricht!

Das neue Testheft: Noch mehr Aufwand für Dokumentation, noch weniger Zeit für Unterricht!

Die Planungen für einen sicheren Schulbetrieb, die Kultusminister Alexander Lorz heute vorgestellt hat, treffen beim VBE weitgehend auf Zustimmung. Der VBE hatte vor der Sommerpause von der Politik eine Sicherheitsphase nach den Ferien gefordert, mit der die Schulen jetzt in das neue Schuljahr starten.

„Masken und Selbsttests werden dazu beitragen, dass die Lehrkräfte beruhigter vor den Schüler/innen stehen und dass allmählich etwas wie Normalität in den Schulalltag zurückkehrt“, erläutert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Die Absicht des Ministeriums, nach den ersten beiden Schulwochen die Maskenpflicht am Platz und in Situationen, in denen es aus pädagogischen Zwecken erforderlich ist, aufzuheben, hält der VBE Hessen für vertretbar und im Sinne der Schüler/innen bzw. einer guten Lernatmosphäre in den Klassen.

Schulen als Testzentren
Fassungslos macht den VBE-Landesvorsitzenden allerdings, dass das Ministerium das neue Testheft als „Erleichterung in Schule und Alltag“ anpreist. „Das Gegenteil ist der Fall!“ stellt Wesselmann klar: „Die Schulen werden zu Testzentren. Das mag für die Schüler/innen und ihre Familien praktisch sein. Doch für die Schulen bedeutet das Testheft weiteren Verwaltungsaufwand, vor allem wenn sie auch noch die Ergebnisse von Bürgertests dokumentieren sollen, wie vom Ministerium vorgeschlagen. Das ist so sinnlos wie überflüssig und zeigt wieder einmal, wie abgehoben vom Schulalltag das Kultusministerium arbeitet.“

Außerdem müsse allen, die von dieser vorgeblich praktischen Lösung mit den Testheften so begeistert sind, klar sein, dass Dokumentation weiter zu Lasten der Unterrichtszeit geht.

Luftreiniger: Schulträger stellen sich quer
Für einen sicheren Schulbetrieb bzw. den Gesundheitsschutz an Schulen sind aus Sicht des VBE Hessen auch Luftfilter bzw. Luftreinigungsgeräte notwendig. Bekanntlich hat das Land für Luftreiniger und andere Hygienemaßnahmen wie die Sanierung von Toiletten insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der VBE Hessen appelliert an die Schulträger, diese Mittel auch abzurufen.

Dass manche Schulträger den Schulen die Anschaffung von Luftreinigern untersagen oder die Wartung verweigern, stößt beim VBE Hessen auf Kritik: „Die Schulträger stellen sich aus durchsichtigen Gründen quer. Denn eine fachgerechte Wartung ist aufwändig und viele Schulträger wollen diese Kosten nicht tragen“, berichtet Wesselmann.

Sinnvoller als Lerncamps: „Löwenstark“ und kleine Klassen
Positiv bewertet der VBE Hessen das Förderprogramm „Löwenstark“, mit dem Lernrückstände aus der Zeit des Wechsel- und Distanzunterrichts aufgeholt werden sollen, u.a. durch zusätzliche Lernzeiten, Hausaufgaben-Betreuung und Doppelbesetzung im Unterricht. Denn die zielgerichtete Förderung aller Kinder und Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf ist aus Sicht des VBE Hessen nur während der Schulzeit und im Rahmen der Schulpflicht möglich – was bei den Lerncamps in den Sommerferien nicht der Fall ist. Diese sind eher eine kosmetische Maßnahme, die bei vielen Eltern einen guten Eindruck machen soll. Hohe Kosten, großer organisatorischer Aufwand – und wenig Wirkung.

So vielversprechend Löwenstark ist – es bleibt ein Programm, das auf 2 Jahre angelegt ist. Um dauerhaft eine bessere Förderung und Unterstützung v.a. für Schüler/innen aus benachteiligten Familien zu gewährleisten, bräuchte es aber einige grundsätzliche Weichenstellungen: „Die Politik sollte Geld und Personal in die Reduzierung der Klassen- und Kursgrößen investieren. Denn während des Wechselunterrichts wurde mehr als deutlich, dass Lehren und Lernen in kleineren Gruppen deutlich effektiver und passgenauer ist. Dies würde zudem die oft übervollen Klassenräume vermeiden und damit auch das Infektionsrisiko verringern“ stellt der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann heraus.

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