„Das Handeln des Kultusministers  wirkt beliebig – nicht fürsorglich.“

„Das Handeln des Kultusministers wirkt beliebig – nicht fürsorglich.“

(13.11.2020) „Geht es dem Kultusminister wirklich um Bildungsgerechtigkeit – oder scheut er das Wechselmodell oder den Distanzunterricht womöglich aus einem anderen Grund?“ fragt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann mit Blick auf die Tatsache, dass Kultusminister Lorz unbedingt am Präsenzunterricht festhalten möchte.

Aus Sicht des VBE drängt sich der Verdacht auf, dass auch die schleppende Digitalisierung eine Erklärung für Lorz´ Strategie ist. „Denn seit dem Lockdown im März hat sich an den technischen Voraussetzungen in den meisten Schulen kaum etwas zum Positiven verändert und das Schulportal ist nach wie vor überlastet,“ sagt der VBE-Landesvorsitzende. Vielerorts fehlt es nach wie vor an der Infrastruktur, vor allem an (kleinen) Schulen auf dem Land. Und die Lehrkräfte, die es bräuchte, um im Wechselmodell einen guten Unterricht für alle Schüler/innen anbieten zu können, sind seit März auch nicht vom Himmel gefallen – der von der Politik seit Jahren ignorierte Lehrkräfte-Mangel schlägt nun voll durch. „Dieses Versagen von politisch Verantwortlichen auf Landes- und kommunaler Ebene würde offensichtlich, wenn wieder ein großer Teil der Schülerschaft im Distanzunterricht wäre“, stellt Wesselmann fest.

So lehren Lehrkräfte und lernen Schüler/innen tagtäglich unter Umständen, angesichts derer der VBE Hessen zweifelnd fragt: Hält der Kultusminister diese Situation wirklich noch für verantwortbar und zumutbar?

Hygieneplan und Stufenplan: notwendig, aber nicht ausreichend!
Zweifellos haben die Schulschließungen ab März viele Familien und insbesondere ohnehin schon benachteiligte Kinder und Jugendliche in Schwierigkeiten gebracht. Doch darf der Kultusminister nicht den Blick vor der Realität verschließen, fordert der VBE Hessen: In den hessischen Ballungsräumen liegen die Inzidenzwerte inzwischen dauerhaft und deutlich im dreistelligen Bereich, selbst der ländliche Raum bewegt sich inzwischen fast überall über dem vom RKI als kritisch bezeichneten Wert von 50. Während das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt wird, geht es in den Schulen einfach so weiter.

Die Landesregierung hat in einem Hygieneplan Standards formuliert, einen Stufenplan für die Schulen in Hessen beschlossen – und macht sich damit einen schlanken Fuß, denn diese strengen Vorgaben können gar nicht alle an allen Schulen eingehalten werden. „Wir bräuchten einheitliche Kriterien dafür, ab wann in welche Stufe des Unterrichts gewechselt werden soll, z. B. in das Wechselmodell oder in den reinen Distanzunterricht“, stellt Wesselmann klar.

Quarantäne? Ein Flickenteppich an Entscheidungen!
Denn in der Praxis werden die Entscheidungen, die auf diesen Vorgaben beruhen, von den Gesundheitsämtern höchst unterschiedlich getroffen. Während beispielsweise im Kreis Offenbach eine Grundschul-Klasse geschlossen wurde, weil dort eine Schülerin positiv getestet wurde, läuft der Präsenzunterricht in der gleichen Situation in der Stadt Offenbach weiter, nur eben ohne die betroffene Schülerin. Begründung der Stadt Offenbach? Hier gilt die Maskenpflicht für Grundschulkinder auch während des Unterrichts. Die Folge: Ein Flickenteppich an Entscheidungen in der hessischen Schul-Landschaft, die weder Schüler/innen noch Lehrkräfte oder Eltern nachvollziehen können.

„Dass Kultusminister Lorz um jeden Tag Präsenzunterricht für die Schüler und Schülerinnen kämpft, ist lobenswert“, kommentiert Stefan Wesselmann die Aussage des Kultusministers gestern im Landtag, dass er um jeden Tag Präsenzunterricht für jedes Kind an jedem Ort kämpfen wird, so lange es infektiologisch vertretbar sei.

„Die Frage ist nur: Was ist noch vertretbar – und wer entscheidet darüber? Aktuell wirkt das Handeln der Politik sehr beliebig. Mit Fürsorgepflicht gegenüber Lehrkräften und Schüler/innen hat das jedenfalls nichts zu tun“, kritisiert der VBE-Landesvorsitzende.

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