„Beim Brunch mit Kinderbetreuung im Luxushotel kippt der Rummel um die Einschulung ins Absurde“

„Beim Brunch mit Kinderbetreuung im Luxushotel kippt der Rummel um die Einschulung ins Absurde“

Am 6. August startet das neue Schuljahr, für viele Kinder das allererste Schuljahr. Die Einschulung ist für Erstklässler und ihre Familien ein großes Ereignis, und entsprechend wird nach der Begrüßung in der Grundschule oft aufwändig weitergefeiert, in Restaurants, mit Geschenken und Animateuren. „Ich bin zwar sehr dafür, die Feste so zu feiern wie sie fallen“, sagt Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen. „Aber spätestens beim Einschulungsbrunch im 5-Sterne-Hotel, wo neben Sekt auch Kinderbetreuung angeboten wird, kippt der Rummel ins Absurde. Da frage ich mich schon: Um wen bzw. um was geht es bei der Einschulung eigentlich!?“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen sieht den Trend zur „Eventisierung“ des ersten Schultags äußerst kritisch. „Als Pädagoginnen und Pädagogen freuen wir uns natürlich, dass die Familien solchen Anteil an der schulischen Laufbahn der Kinder nehmen“, sagt Wesselmann, selbst Rektor einer großen Grundschule im Landkreis Offenbach. „Aber mir ist wichtig, daran zu erinnern: Die Einschulung ist kein Event, sondern der erste Schritt auf einem langen Weg.“ Während der gesamten Schulzeit bräuchten Kinder die Aufmerksamkeit, Begleitung und Unterstützung ihrer Eltern – nicht nur am Tag der Einschulung.

Die Rolle der Eltern: bestärken und ermutigen
Der Rummel um den ersten Schulalltag ist nach Meinung des VBE Hessen nicht nur übertrieben, sondern aus pädagogischer Sicht auch bedenklich. Denn so sehr sich das Kind über die Party freuen mag – es ahnt zugleich, dass die Eltern mit der Schulzeit bestimmte Erwartungen verknüpfen. So wird womöglich sehr früh ein Druck erzeugt, der kontraproduktiv ist zu den Bemühungen um eine fröhliche Einschulung und einen sanften Einstieg in den Schulalltag.

Stattdessen sieht der VBE Hessen die Rolle der Eltern darin, ihr Kind zu bestärken und zu ermutigen – auch und erst recht, wenn es früher oder später Probleme beim Lernen und Verstehen geben wird. Außerdem können sie vermitteln (und vorleben), dass man bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben braucht, sondern sich mit etwas Geduld und mit Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten Lösungen finden lassen. „Wenn Kinder ständig Druck erleben, verlieren sie dagegen die Freude am Lernen“, stellt Wesselmann klar.

So willkommen die Unterstützung der Eltern ist, rät der VBE Hessen in puncto Hausaufgaben zur Zurückhaltung: Eltern sollten diese nicht korrigieren, so sehr es sie manchmal auch reizen mag. Sie sollten lediglich kontrollieren, ob die Hausaufgaben erledigt wurden. Denn andernfalls können Lehrerinnen und Lehrer nicht erkennen, was ein Kind gut oder weniger gut kann und in welchen Bereichen es individuell gefördert werden muss.

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