Resolution: Aufwertung der Arbeit an Grundschulen

Resolution: Aufwertung der Arbeit an Grundschulen

Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen wird von weiten Teilen der Gesellschaft und der Politik noch immer gering geschätzt. Oft entsteht der Eindruck, dass an Grundschulen den Kindern nur etwas Rechnen und Schreiben beigebracht wird, während „echte“ Wissensvermittlung an den weiterführenden Schulen stattfindet.

Tatsache ist: Die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen legen die Grundlagen für das Lernen an der weiterführenden Schule und für das lebenslange Lernen – sowohl mit Blick auf Inhalte und Kompetenzen als auch auf Lerntechniken. Die Grundschullehrkräfte leisten also wahrlich Basis-Arbeit. Gleichzeitig müssen sie immer stärker Erziehungsaufgaben übernehmen, die in vielen Elternhäusern vernachlässigt werden. Angesichts der Heterogenität der Schülerschaft ist diese Erziehungsarbeit auch eine herausfordernde Aufgabe, die viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt.

Neue Herausforderungen:
Inklusion, Ganztag und Flüchtlinge
Schule ist ständig im Wandel. Das ist selbstverständlich in einer Gesellschaft, die immer in Bewegung ist. Allerdings haben Grundschulen und Lehrkräfte aktuell (neben vielen kleinen) gleich mehrere große Herausforderungen zu stemmen: Inklusion, die Integration von Flüchtlingskindern sowie der Aufbau von Ganztagsangeboten.
Das fordert die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen nicht nur enorm, manche fühlen sich auch überfordert. Denn in vielen Schulen fehlt es an Räumen und an der Ausstattung, die differenziertes Unterrichten ermöglichen. Vor allem aber mangelt es an (Sonder-)Pädagogen und (Sonder-)Pädagoginnen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen können. Und viele Regelschullehrkräfte sind nicht vorbereitet auf den Unterricht mit Kindern mit den unterschiedlichsten Förderbedarfen oder einer Flüchtlingsgeschichte und auf Unterricht im Team.

Die Forderung des VBE Hessen:
Alle Grundschulen müssen ein ausreichendes Zeit- und ein finanzielles Budget haben, um ihren Lehrkräften notwendige Fortbildungen zu aktuellen Themen zu ermöglichen. Der Einsatz von multiprofessionellen Teams muss selbstverständlich werden, für die dafür notwendigen Pädagoginnen und Pädagogen müssen Studienplätze und Stellen geschaffen werden.
Zudem muss die Politik sicherstellen, dass die Schulträger für ausreichend Räume sorgen, so dass im Sinne der Inklusion differenzierter Unterricht stattfinden kann. Außerdem müssen die Räume in gutem Zustand sein sowie angemessen mit Möbeln und Materialien ausgestattet sein.

Das Bürokratie-Problem:
Unrealistische Arbeitszeiten und knappe Deputate
Schule bedeutet heute leider auch: Viel zu viel Bürokratie! Die Dokumentationspflichten sind enorm und regelmäßig werden die Grundschulen aufgefordert, neue Konzepte zu entwerfen, zum Beispiel zur Gewaltprävention oder zum Einsatz von digitalen Medien im Unterricht. Auch Inklusion, die Beschulung von Flüchtlingen und Ganztagsangebote bedeuten einen hohen organisatorischen Aufwand und bringen viele bürokratische Pflichten mit sich, u.a. das Schreiben von Förderplänen. Das alles zusätzlich zum regulären Schulbetrieb.
Grundschulen sind dabei gegenüber anderen Schulformen doppelt benachteiligt, da sowohl Leitungs- und Schuldeputat als auch die Stunden für Sekretär/innen häufig knapp bemessen sind. Besonders hart trifft es Schulen mit weniger als 80 Schülerinnen und Schülern, denen aufgrund ihrer Größe keine Konrektorin oder Konrektor zusteht.

Die Forderung des VBE Hessen:
Schule muss entbürokratisiert werden. Schulleiterinnen und Schulleiter müssen Prioritäten setzen dürfen. Gleichzeitig muss die Arbeitszeit auf realistischer Grundlage berechnet werden. Dafür müssen zunächst die außerunterrichtlichen Aufgaben definiert und abgeschätzt werden. Wichtig ist dabei, die Zeit zu berücksichtigen, die Lehrkräfte und Schulleitungen für die Einarbeitung in neue Aufgaben und Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen brauchen.

In der Konsequenz müssen sowohl das Leitungsdeputat als auch das Schuldeputat deutlich erhöht werden. Das ist besonders wichtig für kleine Schulen (mit unter 80 Schüler/innen), deren Schulleiter/innen schon eine hohe Unterrichtsverpflichtung haben. Die Deputate dürfen sich nicht an der Schülerzahl orientieren, sondern an den Grundaufgaben einer Schule, die unabhängig von der Schülerzahl an allen Schulen gleichermaßen zu leisten sind.
Die Besoldung aller stellvertretenden Schulleiter/innen muss soweit erhöht werden, dass sie eine halbe Stufe unter der der Schulleiter/innen liegt.

Das ewige Thema:
Besoldung und Beförderung
Das Berufsbild der Lehrkräfte an Grundschulen hat sich stark verändert. Ihre Arbeit und die von – beispielweise – Kolleginnen und Kollegen an Gymnasien ist nach wie vor nicht gleichartig. Aber sie ist gleichwertig. Mit dem Gusy-Gutachten hat der VBE hinreichend dargelegt, warum die gängigen Argumente für die unterschiedliche Besoldung der verschiedenen Lehrämter nicht mehr tragfähig sind. Genauso wenig ist für den VBE Hessen einzusehen, warum Grundschullehrkräften die Möglichkeit zu einer Beförderung vorenthalten bleibt.

Die Forderung des VBE Hessen:
Lehrkräfte an Grundschulen müssen zum Berufseinstieg genauso bezahlt werden wie ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulformen (A13 für alle). Außerdem müssen an allen Schulen – also auch an Grundschulen – Möglichkeiten zur Beförderung geschaffen werden. Der VBE Hessen hält zudem an seinem Ziel fest, dass alle Lehrerinnen und Lehrer verbeamtet werden.

Der VBE Hessen erwartet, dass die Politik die Leistung der Grundschullehrkräfte als gleichwertig mit der anderer Lehrämter anerkennt und der Ungleichbehandlung endlich ein Ende setzt. Die Anerkennung muss sich in besseren Arbeitsbedingungen, höherer Besoldung und in Beförderungsmöglichkeiten ausdrücken.
Der VBE Hessen ist zudem der Überzeugung, dass eine Aufwertung des Grundschul-lehramts zentral ist, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Wenn Grundschulen nicht ständig den (Personal-)Mangel verwalten müssen, verbessert das wiederum die Arbeitsbedingungen – und damit natürlich auch die Lernbedingungen und die Lernerf

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