Positionen zum Gymnasium

Positionen zum Gymnasium

Der VBE steht zum Gymnasium. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln, steigt beständig. Mittlerweile besucht die Mehrheit eines Jahrgangs das Gymnasium. Sein Fortbestand ist damit sicher.

Der VBE Hessen setzt sich für ein zukunftsfähiges Gymnasium ein und vertritt dazu folgende Positionen:

Das Gymnasium darf nicht die einzige Schulart sein, die zum Abitur führt

Um das Gymnasium als starke und leistungsfähige Schulart zu erhalten, ist eine zweite attraktive Schulart erforderlich. An dieser müssen, ohne Brüche und ohne den Umweg über verschiedene Schularten, alle Abschlüsse bis zur Allgemeinen Hochschulreife möglich sein. Diese Alternative muss absolut gleichwertig zum Gymnasium sein und hohe Durchlässigkeit bieten, um Bildungs- und Chancengerechtigkeit herzustellen und zu bewahren.

Die Reform des G8-Gymnasiums muss weitergehen

Die Frage, ob G8 oder G9 das bessere Modell für die Gymnasien ist, hat für den VBE keinen Vorrang. Wichtiger ist dem VBE, dass die gymnasiale Schulzeit sinnvoll ausgestaltet wird. Zudem möchte der VBE die Durchlässigkeit in der Mittelstufe (Sekundarstufe I) gewährleistet sehen.

Am G8-Modell gibt es trotz aller Korrekturen in den meisten Bundesländern noch hohen Änderungsbedarf. Am Ende der 8-jährigen Schulzeit sind zu viele Schülerinnen und Schüler zu wenig auf das Leben und damit auch kaum auf das Studium vorbereitet.

Acht Jahre lang wurde ihnen häufig bis ins Kleinste vorgeschrieben, was sie zu tun und zu lernen haben. Zum selbständigen und problemorientierten Lernen ist bei G8 zu wenig Raum. Auch soziale Kompetenzen wie die Fähigkeit zur Teamarbeit und Empathie sowie Musisches, Sport und demokratische Entscheidungsfindung kommen im derzeitigen System mit seiner permanenten Leistungsmessung zu kurz. Der Noten- und Versetzungsdruck begünstigt Frontalunterricht sowie Auswendiglernen und lässt für Kreativität zu wenig Raum.

Eine hohe Anzahl von Querversetzungen während der Mittelstufe in die Realschule, hohe Abbrecher-Zahlen nach der Einführungsphase in der Oberstufe und anschließende Wechsel in die FOS sind Folgen dieses zuweilen einseitigen, auf Leistung fokussierten Unterrichts. Hinter den Zahlen stehen die Geschichten von Schülerinnen und Schülern mit gescheiterten Schullaufbahnen. Sie – und ihre Eltern – lassen das Gymnasium frustriert und zuweilen demotiviert hinter sich.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert deshalb für alle Gymnasien:

  • vernetztes und eigenständiges Lernen in Projekten
  • auch fächerübergreifend kleinere Klassengrößen
  • Kürzung der Fachinhalte, damit nachhaltiges und gründliches Lernen möglich wird
  • Lerneinheiten auch jenseits des 45-Minuten-Takts
  • eine räumliche und personelle Ausstattung der Schulen und Unterrichtskonzepte, die zeitgemäße Lernformen ermöglichen, zum Beispiel kooperatives Lernen.
  • Ergänzung von Noten und Prüfungen durch weitere Formen der Rückmeldung und Leistungsfeststellung
  • rhythmisierter Ganztagesunterricht (als Angebot)
  • echte Mitbestimmung für Schülerinnen und Schüler bei der Schulentwicklung, der Schulorganisation und dem eigenen Lernprozess
  • Stärkung der pädagogischen und didaktischen Kompetenzen der Lehrer und Lehrerinnen durch alle Phasen der Lehrerbildung,
  • Auswahlverfahren für Schulleiterinnen und Schulleiter, bei dem Leistung und Befähigung zählen. Nur so lassen sich Schulleiterinnen und Schulleiter finden, die bereit sind, sich über zeitgemäße Schulleitung und Führung auf dem Laufenden zu halten.

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