Gut gemeint, aber nicht gut: VOBO und VOFOS

Gut gemeint, aber nicht gut: VOBO und VOFOS

Mit dem Amtsblatt 08/2018 sind zwei wichtige Verordnungen in Kraft getreten: Die Verordnung für Berufliche Orientierung an Schulen (VOBO) vom 17. Juli 2018 und die Verordnung über Ausbildung und Abschlussprüfung an Fachoberschulen (VOFOS), ebenfalls vom 17. Juli 2018. Bereits im Vorfeld der Entwurfsphase beider Verordnungen bezog der VBE Hessen Position und verwies auf kritische Punkte (die Stellungnahmen finden Sie ebenfalls auf dieser Homepage, in der Rubrik „Aktuelles“). Einige wenige kritische Anmerkungen des VBE wurden glücklicherweise in den nun vorliegenden Verordnungen berücksichtigt, andere leider nicht. So ergibt sich für beide Verordnungen ein differenziertes Bild.

Zur VOBO:

Eine Berufliche Orientierung ist hinsichtlich eines späteren gesamtgesellschaftlichen Nutzens sinnvoll, doch berücksichtigt die „neue“ VOBO nicht die Entwicklungsphasen der jungen Lernenden. Gerade in der pädagogisch herausfordernden Phase der Pubertät ist vor allem Kontinuität wichtig, um Nachhaltigkeit und Erfolge in der unterrichtlichen Arbeit aller Fächer zu erzielen. Einerseits sind lange Unterrichtsunterbrechungen durch die in der VOBO vorgesehenen Abwesenheitszeiten in der Sek. I (durch Berufsfelderkundungen, Praktika etc) in den oben erwähnten Phasen eher kontraproduktiv. Andererseits wird im Bereich der Sek. II den Schulen sehr großer Freiraum gelassen, um die Berufliche Orientierung zu organisieren bzw. mehr oder weniger unterrichtwirksam „zu vermeiden“, beispielsweise durch Praktika in der unterrichtsfreien Zeit (§ 25).
Die in § 4 der VOBO erwähnten komplexen Aufgaben der Schulkoordinatoren sind äußerst umfangreich. Für ihre Arbeit werden den Schulkoordinatoren lt. VOBO Anrechnungsstunden gewährt. Woher diese kommen und wie viele dies sind, wird allerdings nicht benannt. Im gymnasialen Bildungsgang können die Aufgaben stattdessen auch im Rahmen einer Beförderungsstelle wahrgenommen werden. Weiterhin müssen die allgemein bildenden Schulen ein fächerübergreifendes Curriculum für die Berufliche Orientierung erstellen (§ 5).
Diese umfangreiche Aufgabe wird wahrscheinlich ebenfalls den Schulkoordinatoren zufallen, da die VOBO hier keine Aufgabenverteilung vorsieht. Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Es wächst den Schulen eine enorme Aufgabenlast und ein Bürokratieaufwand zu, deren Gegenfinanzierung nicht klar geregelt ist. Von daher: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht!

Zur VOFOS:

Die grundsätzlich notwendigen Änderungen bei der Neufassung der VOFOS sind im Großen und Ganzen sinnvoll. Dies gilt ausdrücklich für den Rahmen der Einführung zentraler Abschlussprüfungen und die Anpassung des Verfahrens der Zweitkorrektur zum sog. „Fachabitur“. Dabei ist zu begrüßen, dass einheitliche Vereinbarungen und Standards, bspw. die Bewertung der sprachlichen Richtigkeit in schriftlichen Leistungsnachweisen (Fehlerindex) analog der Bewertung der Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO), nun auch im Bereich der Fachoberschulen gelten.

Um einheitliche Standards setzen zu können, bedarf es auch einheitlicher Voraussetzungen „vor Ort“ an den Schulen und innerhalb der unübersichtlich vielfältigen Schulformen in Hessen. Das gelenkte Praktikum dauert laut § 4 der VOFOS vom 1. August bis zum Ende der vorletzten Woche vor den Sommerferien. Angesichts der durch die VOFOS formulierten zusätzlichen Aufgaben, beispielsweise während des gelenkten Praktikums für die praktikumsbetreuenden Lehrkräfte, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit u.a. im Hinblick auf knappe Ressourcen wie der verfügbaren Stundenzuweisungen und des entsprechend qualifizierten Personals. Leider gibt die VOFOS hierüber keine konkrete Auskunft.

Markus Wolf

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