VBE drängt auf Weiterbildung für Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf

VBE drängt auf Weiterbildung für Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf

In einem gemeinsamen Brief des VBE-Bundesvorsitzenden Udo Beckmann und des hessischen Landesvorsitzenden Stefan Wesselmann an das Hessische Kultusministerium heißt es: „Ein Ergebnis der jüngsten forsa-Umfrage zur Berufszufriedenheit von Schulleitungen im Auftrag des VBE ist, dass jede dritte Schulleitung mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen hat. Die große Mehrheit nennt als Grund, dass es (...) zu wenig Bewerberinnen und Bewerber gibt. 37 Prozent der Befragten geben an, daher Seiteneinsteiger einzustellen. Dieser Fakt sagt jedoch noch wenig darüber aus, wie die absolute Zahl der Seitensteiger ist.“

Der VBE erbittet von der Politik daher Angaben dazu, wie viele Personen, die keine abgeschlossene originäre Lehramtsausbildung haben, in den vergangenen Jahren auf unbefristete Stellen eingesetzt wurden und wie diese qualifiziert sind. Der VBE Hessen stand bereits vor dem Versand dieses Briefes im Kontakt mit dem Hessischen Kultusministerium und hat Auskunft zu folgenden Fragen zum Thema Weiterbildung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger an Grundschulen erhalten:

1. Welche Weiterbildungen legen Sie den Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern ans Herz, bevor sie an den Grundschulen eingesetzt werden?
„Insgesamt ist zu unterscheiden zwischen Un- terrichtserlaubnis (erteilt i.d.R. die Schulleitung für kurzfristige Vertretung), der Unterrichtsbefähigung (wird von den Schulämtern oder der Lehrkräfteakademie erteilt, z.B. die
Befähigung, dass ein Gymnasiallehrer Musik an der Grundschule unterrichtet; der häufigste Fall ist die Unterrichtsbefähigung, die an Privatschulen ausgesprochen wird) und dem Lehramt (wird nach KMK-Regeln durch Studium und Referendariat bzw. über Weiterbil- dung bei der Lehrkräfteakademie erworben).
Die Lehrkräfteakademie (LA) bietet für Personen mit Vertretungsvertrag Fortbildungen zentral in Kassel durch das dortige Studienseminar für Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen an. Das Hessische Kultusministerium bietet darüber hinaus durch die Lehrkräfteakademie einen zweistufigen Weiterbildungskurs für angehende Grundschullehrkräfte an. Dieser wird entweder mit einem Zertifikat (nach einem Jahr) oder mit einer Zusatzprüfung für das Lehramt an Grundschulen (nach drei Jahren) abgeschlossen.“

2. Welche Fort- und Weiterbildungen machen Sie zur Voraussetzung für einen Einsatz von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern?
„Hier wird auf die oben genannten Maßnahmen verwiesen. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen für die Zulassung zum Weiterbildungskurs (= Erwerb des Lehramtes an Grundschulen) eine Erste und Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien oder an Haupt- und Realschulen vorlegen können.“

3. Gibt es Zahlen, wie viele und welche Personen diese Angebote nutzen?
„In der genannten Weiterbildungsmaßnahme zum Grundschul-Lehramt befinden sich aktuell insgesamt 140 Personen, davon 86 mit der Befähigung für das Lehramt an Gymnasien (die anderen mit Lehramt an Haupt- und Realschulen). Zu den anderen Maßnahmen sind kurzfristig ohne Abfrage bei den Schulämtern keine Zahlen zu erhalten.“

Aus Sicht des VBE Hessen sind diese Antworten nicht zufriedenstellend, da eine durchgehende Qualität nicht gesichert ist. Zudem zeigt die Tatsache, dass nur 140 der ursprünglich 250 geplanten Plätze in der o.g. Weiterbildungsmaßnahme belegt sind, eines sehr deutlich: „Es ist schlicht nicht attraktiv, sich einer 38-monatigen (!) Weiterbildungsmaßnahme zu unterwerfen, um dann mit einer Gehaltsstufe niedriger in den Beruf einzusteigen“, so der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann. Der VBE Hessen drängt daher darauf, dass Hessen sich u.a. Brandenburg, Sachsen und Berlin zum Vorbild nimmt und die Ein- gangsbesoldung der Lehrämter gleichzieht.

Außerdem vermisst der VBE Hessen verbindliche, grundlegende Qualifizierungsmaßnahmen für die mehreren tausend Personen, die ohne Lehramtsstudium unterrichten. Alles andere ist verantwortungslos, sowohl gegenüber den Schülerinnen und Schülern, die Anrecht auf eine gute Schulbildung haben, als auch gegenüber den Lehrenden, die sonst an den Herausforderungen des Schulalltags scheitern könnten.

Der gemeinsame Brief des VBE-Bundesvorsitzenden Udo Beckmann und des hessischen Landesvorsitzenden Stefan Wesselmann steht im Internen Bereich dieses Homepage in der Rubrik “VBE im Dialog”. Bitte beachten Sie: Der Interne Bereich ist nur für VBE-Mitglieder zugänglich.

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