Stellungnahme: Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen

Stellungnahme: Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Auftrag des VBE Hessen bedanke ich mich für die Möglichkeit einer schriftlichen Rückmeldung zur Überarbeitung der „Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen“.

Das Angebot einer ganzheitlichen individuellen pädagogischen Förderung in der ganztägig arbeitenden Schule und ein verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot ist zu begrüßen. Eine Umsetzung erscheint im Profil 1 und 2 allerdings kaum möglich, wenn das Betreuungsangebot auf freiwillige Teilnahme ausgerichtet ist. Eine Rhythmisierung der Bildungs- und Betreuungsangebote mit dem Pflichtunterricht ist daher nur im Profil 3 planbar.

Die Ausgestaltung ganztägig arbeitender Schulen im Wechsel von Phasen der An- und Entspannung, orientiert am biologischen Rhythmus der Kinder, ist wünschenswert, wird aber in den meisten Fällen an der Realität scheitern. Bedingt durch die Arbeitszeiten der Eltern müssen Kinder schon vor 7:30 Uhr in der Schule sein, die Fahrzeiten der Schulbusse sind vor allem bei Linienverkehr nicht beeinflussbar.

Die verstärkte Kooperation von Lehrkräften, Fachkräften und weiterem Personal verlangt eine langfristige und gesicherte Personalplanung. Abordnungen von Lehrkräften von ganztägig arbeitenden Schulen an andere Schulen sind dann nicht mehr möglich. Für die Lehrkräfte bedeutet die Ganztagsschule zwangsläufig veränderte Arbeitszeiten und Arbeitsumstände. Die Pflichtstundenverordnung wird diesen Veränderungen in der vorliegenden Form nicht gerecht werden können.

Die geforderten Voraussetzungen für Schulen mit Ganztagsangeboten sind zu begrüßen, dennoch weit von der Realität entfernt. Die dazu notwendige Anzahl von Räumlichkeiten könnte bei den meisten Schulen nur durch Neubauten erreicht werden. Dies werden die Schulträger nicht leisten können, daher bleibt zu befürchten, dass Ganztagsangebote nur zu sehr viel schlechteren Bedingungen umgesetzt werden können. Eine Verpflichtung der Schulträger zur Schaffung bestimmter Standards ist nicht gegeben.

Für den VBE sind folgende Punkte wesentliche Voraussetzungen für das Gelingen von Ganztagsschulen:
– Verzahnung von Vor- und Nachmittag (inkl. Mittagessen)
– ausreichende und verlässliche Finanzierung
– pädagogisch sinnvolle Klassengrößen
– hinreichender Personalschlüssel (keine Mehrarbeit für Lehrkräfte)
– bedarfsgerechte Räumlichkeiten für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
– für die Ganztagsarbeit aufgeschlossene Kollegien

Daher kann aus Sicht des VBE nur eine ganztägig arbeitende Schule im Profil 3 Ganztagsschule genannt werden.

Dies entspricht einer Forderung des VBE: „Wo Ganztagsschule draufsteht, muss auch Ganztagsschule drin sein.“

Christel Müller
stv. Landesvorsitzende des VBE Hessen

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