Offener Brief an Kultusminster Lorz: Höhere Wertschätzung, bessere Bezahlung!

Offener Brief an Kultusminster Lorz: Höhere Wertschätzung, bessere Bezahlung!

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

zur Gleichwertigkeit der verschiedenen Lehrämter gibt es seit jeher unterschiedliche Einschätzungen. In jüngster Zeit wurden auch Sie sinngemäß mit der Aussage zitiert, dass die höhere Besoldung von Lehrerinnen und Lehrern an weiterführenden Schulen wegen eines höheren Arbeitspensums gerechtfertigt sei. Das hat für große Empörung unter Kolleginnen und Kollegen an Grundschulen gesorgt, die ihre Arbeit gering geschätzt fühlen.

Der VBE Hessen sieht sich deshalb veranlasst, seinen Standpunkt klarzustellen:
Die Arbeit von Lehrkräften an Grundschulen und weiterführenden Schulen ist nicht gleichartig, aber sie ist gleichwertig! Die Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen legen die Grundlagen für das Lernen an der weiterführenden Schule – sowohl mit Blick auf Inhalte und Kompetenzen als auch auf Lerntechniken. Angesichts der an Grundschulen besonders großen Heterogenität der Schülerschaft ist dies eine aufwändige und anspruchsvolle Arbeit!

Daher haben alle Lehrkräfte die gleiche Wertschätzung ihrer Arbeit verdient,
die sich wiederum in der gleichen Eingangsbesoldung aller Lehrämter ausdrücken muss!

Die Zeit dafür ist reif, das zeigt der Blick in andere Bundesländer: Sachsen, Brandenburg und Berlin haben bereits einen Stufenplan zur Anhebung der Besoldung der Grundschullehrkräfte mit A13/E13 vorgelegt bzw. beschlossen. Schleswig-Holstein hat dies ebenfalls angekündigt.

Lange galt in der Kultusministerkonferenz (KMK) die Losung: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Doch offenbar hat sich nun die Einsicht durchgesetzt, dass die Aufwertung des Lehramts an Grundschulen überfällig ist – das „KMK-Mikado“ ist endlich beendet!

Der VBE Hessen fordert daher auch von Ihnen als hessischem Kultusminister ein klares Bekenntnis zur Gleichwertigkeit der verschiedenen Lehrämter. Mehr Gerechtigkeit wa(a)gen, dieser VBE-Leitspruch bedeutet für uns, endlich A13 als Eingangsbesoldung für Grundschullehrkräfte einzuführen!

Bislang werden Grundschullehrkräfte in Hessen als einzige Lehrkräfte überhaupt in die Besoldungsstufe A12 eingestuft. Damit verdienen sie deutlich schlechter als Lehrkräfte an allen anderen Schulformen; der Unterschied kann mehrere hundert Euro betragen. Es darf aber nicht sein, dass sich die Bezahlung der Lehrkräfte nach der Schuhgröße der Schülerinnen und Schüler richtet!

Nicht zuletzt müsste das Land Hessen ein Eigeninteresse an der Aufwertung des Lehramts an Grundschulen haben: Der Wettbewerb unter den Bundesländern um Lehrerinnen und Lehrer nimmt zu – und wer vor dem Einstieg in den Beruf steht, wird sich nicht unbedingt für das Bundesland mit einer vergleichsweise schlechten Besoldung entscheiden.

In der Hoffnung, bald positive Signale aus Ihrem Haus zu empfangen,
grüßt Sie herzlich

Stefan Wesselmann
Landesvorsitzender des VBE Hessen,
im Namen des Landesvorstands des VBE Hessen

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