Fortbildung beim VBE Main-Kinzig-Kreis: Elterngespräche erfolgreich führen

Fortbildung beim VBE Main-Kinzig-Kreis: Elterngespräche erfolgreich führen

Die Eltern, die sich nicht einig sind und die Lehrerin – bewusst oder unbewusst – in ihre Auseinandersetzung hineinziehen. Der Vater, der sich nur ungern von einer Frau sagen lässt, welche Unterstützung und Förderung sein Kind braucht. Die Mutter, die mit 6-köpfiger Verstärkung zu einem Gespräch über das Sozialverhalten ihres Kindes kommt.

Solche Situationen sind (fast) allen Lehrerinnen und Lehrern bekannt, und natürlich laufen die Elterngespräche dann ganz anders als geplant. Wobei: Gab es denn wirklich einen Plan? An diesem Punkt setzt die Fortbildung „Elterngespräche erfolgreich führen“ an, die Christiane Koch vom VBE Offenbach am 11. Dezember 2018 auf Einladung des VBE Main-Kinzig-Kreis an der Herzbergschule in Gelnhausen-Roth hielt. Denn bevor die Referentin explizit auf schwierige Elterngespräche einging, erinnerte sie an einen simplen Grundsatz, der für alle Elterngespräche gilt, aber in den Routinen und im Stress des Schulalltags doch immer wieder in Vergessenheit gerät: „Gute Gespräche brauchen gute Vorbereitung!“

Damit ist zum einen das Klären von Gesprächsanlass (Wer hat ein Problem? Wie kam das Gespräch zustande?), Problem-Ursachen, Themen (Was möchte ich ansprechen? Was werden vermutlich die Eltern ansprechen?) und Zielen (eigene und der Eltern) gemeint. Zum anderen geht es um praktische Dinge wie einen freundlichen Raum, Wasser und Kekse auf dem Tisch sowie eine Uhrzeit und eine Gesprächsdauer, die keinen Druck erzeugen.

Klingt aufwändig – aber aus Sicht von Christiane Koch, die Förderschullehrerin und eine von zwei Konrektorinnen an der Don-Bosco-Schule in Seligenstadt ist, lohnt sich jede investierte Minute: „Ein Gespräch ohne Ergebnis kann ich mir auch sparen. Oder ich muss ein zweites ansetzen – und das kostet mich wieder Zeit.“

Zu einer gelungenen Gesprächsführung tragen allerdings auch Dinge bei, die weniger mit Zeit als mit Haltung zu tun haben: Hypothesen statt Diagnosen stellen. Die Wahrnehmung des Gegenübers akzeptieren und zunächst nicht bewerten. Offen sein für die Vorschläge des Gegenübers. Die Möglichkeiten („Ressourcen“) der Eltern erkennen und bei der Vereinbarung von Zielen berücksichtigen. „Ein alleinerziehender Vater mit 2 Jobs wird es nicht schaffen, täglich Hausaufgaben zu kontrollieren“, gab Koch ein Beispiel aus ihrem Berufsleben, aus dem sie ihre Schlüsse zog.

Solche Eltern(teile) machen auch anderen Lehrkräften Sorgen, das zeigte die Diskussion unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fortbildung. Was aber tut man, wenn kaum „Ressourcen“ erkennbar sind: die Elterngespräche bleiben lassen? Nein, meinten die Referentin als auch einige in der Runde: Es bleibt die Pflicht, Gespräche zu führen, es bleibt der Anspruch, Denkanstöße zu geben – und es bleiben die Kinder, die bei Kochs „Elterngesprächen“ in der Regel mit am Tisch sitzen und an der Vereinbarung von Zielen beteiligt sind.

Für schwierige Gespräche hat Christiane Koch sich selbst einige Regeln gegeben. So bittet sie eine Kollegin, Protokoll zu führen, und sie legt Wert darauf, dass alle Anwesenden sich vorstellen. Zudem hat sie einige Tricks, die ihr helfen, cool zu bleiben. Wenn ein Gespräch doch zu eskalieren droht, bricht sie es ab. Manchmal nur für ein paar Minuten, manchmal trifft sie sich erst zwei Wochen später wieder mit den Eltern. Ein wichtiges Signal, findet sie: „Ich bemühe mich um sachliche und respektvolle Kommunikation – also kann ich das auch von meinem Gegenüber erwarten!“

Eva Keller

Artikel als PDF downloadenDrucken