Feriencamps: Quote + Druck = Freiwilligkeit

Feriencamps: Quote + Druck = Freiwilligkeit

(06.07.2021) 300 hessische Schulen werden in den Sommerferien Lerncamps anbieten. Dass das HKM diese Nachricht in einer Pressemitteilung vom 5. Juli 2021 als Erfolg verkauft, grenzt schon an Dreistigkeit. Denn dieser „Erfolg“ wurde mit Quoten für die Schulamtsbereiche und Druck auf die Schulen erzwungen. Die wenigsten Schulen haben sich freiwillig gemeldet. Kein Wunder – der organisatorische Aufwand und die ernüchternden Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer sind allen noch in Erinnerung:

  • Die Kinder und Jugendlichen, die die Feriencamps am dringendsten gebraucht hätten, weil sie während des Distanzunterricht „abgetaucht“ waren, kamen auch in den Sommerferien nicht zum Lernen in die Schule.
  • Vielerorts glichen die Feriencamps eher einer Beschäftigungsmaßnahme für die Schüler/innen, bei der stapelweise Übungsblätter ausgeteilt wurden. Denn an qualifiziertem Lehrpersonal, das für eine Begleitung oder gar gezielte Förderung notwendig wäre, fehlte es (und wird es auch dieses Jahr wieder fehlen). Lehramtsstudierende – so motiviert sie auch sein mögen – besitzen meist noch nicht die Kenntnisse, welche Lerninhalte welchem Schuljahr zuzuordnen sind, was Schüler/innen eines bestimmten Jahrgangs brauchen und wie sie dies didaktisch am besten vermitteln.
  • Last but noch least bedeutet die Organisation der Feriencamps enormen organisatorischen Aufwand und für die beteiligten Schulleitungen und Lehrkräfte weitere Präsenztage in den Ferien. Nach eineinhalb Jahren Pandemie sind die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen aber dringend erholungsbedürftig und haben Anspruch auf eine echte Auszeit!

Die Schulen hatten in diesem Jahr also viele gute Gründe, sich nicht freiwillig für ein Feriencamp zu melden. Die Argumente hat der VBE Hessen dem Kultusminister kürzlich auch ausführlich dargelegt und die zwanghafte Durchführung als „überteuertes Feigenblatt der Politik“ angeprangert. „Aber leider hält das HKM an dieser kosmetischen Maßnahme fest, die bei manchen Eltern einen guten Eindruck macht, den Steuerzahler viel Geld kostet und am Ende wenig bringt. Es wurde `Freiwilligkeit hergestellt´“, kritisiert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

Der VBE Hessen bleibt bei seiner Position, dass eine zielgerichtete Förderung, die alle Kinder und Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf erreicht, nur während der Schulzeit (und im Rahmen der Schulpflicht) möglich ist. Das Aufholpaket, das voraussichtlich mit zusätzlichen Lernzeiten, Hausaufgaben-Betreuung und Doppelbesetzungen im Unterricht umgesetzt wird, ist daher aus VBE-Sicht der vielversprechendere Ansatz.

Allerdings: Dass die die Schulen und die Staatlichen Schulämter bis gestern noch nicht wussten, welche Summen ihnen zugewiesen werden und wie sie diese im Detail verwenden können, ist schon wieder der nächste Aufreger…

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