Fehlerindex in Jahrgang 9 und 10:  Empfehlung statt Verpflichtung

Fehlerindex in Jahrgang 9 und 10: Empfehlung statt Verpflichtung

(08.07.2022) Der Fehlerindex für die Jahrgangsstufen 9 und 10 soll zunächst doch nicht verpflichtend eingeführt werden. Stattdessen soll es eine „dringende Empfehlung“ zum Einsatz geben; nach den gesammelten Erfahrungen aus dem Schuljahr 2022/23 soll der Fehlerindex dann zum übernächsten Schuljahr gegebenenfalls angepasst werden und als verpflichtende Vorgabe kommen. Der Fehlerindex, der in allen Fächer angewandt werden soll, ist Teil des Maßnahmenpakets „Bildungssprache Deutsch“.

Im Hauptpersonalrat Schule (HPRS) am Hessischen Kultusministerium hatten der VBE Hessen und andere Fraktionen Zweifel an der Konsistenz der Regelungen vorgetragen, die für die verschiedenen Bildungsgänge unterschiedliche Bewertungskriterien festlegen.

Dies würde in der Praxis beispielsweise dazu führen, dass einer Realschülerin in der 9. Klasse in einer Biologie-Arbeit mehr Notenpunkte abgezogen werden (können) als einer Oberstufenschülerin am Gymnasium in einer Deutsch-Arbeit. In der Oberstufe erfolgt nämlich ein maximaler Abzug einer 2/3-Note, wohingegen der Abzug in Haupt- und Realschulen eine ganze Note ausmachen würde. Zudem führt die Anwendung des Fehlerindex dazu, dass der fachliche Anteil an einer Note sinkt, was schlimmstenfalls dazu führen kann, dass ein/e Schüler/in wegen sprachlicher Fehler den Abschluss nicht erreicht.

Der VBE Hessen hat außerdem erneut darauf hingewiesen, dass alleine durch das Markieren von Fehlern kein Lernfortschritt bei den Schülern und Schülerinnen erreicht wird. Dazu müssten die Fehler – zumindest exemplarisch – besprochen und durch die Schüler/innen berichtigt werden. Das aber ist im vollgepackten Schulalltag in keinster Weise realistisch – schon die Korrektur nach dem neuen Fehlerindex bedeutet einen beträchtlichen Mehraufwand.

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