Digital-gestützter Unterricht weckt Erwartungen bei Eltern, die Schulen kaum erfüllen können

Digital-gestützter Unterricht weckt Erwartungen bei Eltern, die Schulen kaum erfüllen können

(27.10.2020) Anfang Oktober hat das Hessische Kultusministerium (HKM) ein Konzept für einen „digital-gestützten Distanzunterricht“ vorgestellt, das Schulen auf freiwilliger Basis und unabhängig von den Pandemie-Bedingungen ab dem Jahrgang 8 umsetzen können.

Der VBE Hessen hält wenig von diesem Konzept, in das der Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer (HPRLL) am Kultusministerium übrigens nicht eingebunden wurde – leider nicht das erste Mal in den vergangenen Monaten.

„Den Schulen die Möglichkeit geben, 25 Prozent ihres Unterrichts in den virtuellen Raum zu verlagern: Das hört sich zukunftsgewandt an und macht sicher einen guten Eindruck bei den Eltern, die ja mehr Digitalisierung einfordern“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann. „Doch wieder einmal weckt das HKM damit Erwartungen, die die Schulen kaum einlösen können.“

Es mangelt nach wie vor an der technischen Infrastruktur und Endgeräten, zudem würde die Gleichzeitigkeit von (25 Prozent) Distanzunterricht und (75 Prozent) Präsenzunterricht die Schulen vor enorme organisatorische und logistische Herausforderungen stellen und Entscheidungen notwendig machen, die am Ende wieder nicht alle zufriedenstellen würden. Denn wer entscheidet, welche Klassen, welche Fächer und welche Lehrkräfte für was eingeteilt werden – und nach welchen Kriterien?

Zudem ist es ein langer Weg vom Vorhaben bis zur Umsetzung, da sowohl die schulischen Gremien als auch die Eltern zustimmen müssen. Und verweigern die Eltern eines Schülers ihre Zustimmung, muss dieser dann am Unterricht einer anderen Klasse teilnehmen. „Der Ärger ist vorprogrammiert“, bilanziert der VBE-Landesvorsitzende und ärgert sich. „Mal wieder geht das HKM mit einem halbgaren, nicht durchdachten Vorschlag an die Öffentlichkeit, um bei den Eltern zu punkten. Und wenn es am Ende an einer Schule diesen digital-gestützten Distanzunterricht nicht gibt, sind die Lehrkräfte wieder die Dummen, die es aus Elternsicht nicht hinkriegen.“

Foto: imgix/unsplash

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