Corona und Schulschließungen: Offener Brief an den Kultusminister

Corona und Schulschließungen: Offener Brief an den Kultusminister

(13.03.2020)

Sehr geehrter Herr Staatsminister Professor Dr. Lorz,

sieben Schulen in Hessen sind – Stand heute um 10 Uhr – wegen eines Verdachts auf eine Corona-Infektion geschlossen, gestern waren es erst drei.

Es ist aus Sicht der VBE Hessen sehr bedenklich, dass Schulen erst dann geschlossen werden, wenn es bereits zu spät ist, wenn es also konkrete Verdachtsfälle oder belegte Fälle gibt, wenn das Infektionsschutzgesetz greift und die Gesundheitsbehörde die Schule schließt.
Natürlich werden mit landesweiten Schulschließungen neue Probleme geschaffen: Nicht nur weil Eltern dann ein Betreuungsproblem haben, sondern weil letztlich auch die Gesellschaft betroffen ist: Ärzte, Pflegepersonal, Polizei, Justiz, Beschäftigte in Lebensmittelmärkten. Menschen, die wir in dieser Situation dringend brauchen.

Der VBE Hessen sieht durchaus, dass eilfertige Entscheidungen aus diesem Grunde nicht weiterhelfen. Doch wir sehen auch, dass an Prävention zur Eindämmung des Virus’ nicht ausreichend gedacht wurde und wird.

An Schulen kommen ein paar hundert Menschen zusammen, an vielen Schulen deutlich mehr als 1000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In dieser Hinsicht gleichen sie also den viel zitierten Großveranstaltungen – und zuhause haben sowohl die Schüler/innen als auch die Kolleginnen und Kollegen Familie, von Kleinkindern bis zu (alten) Eltern. Sie also müssen
geschützt werden.

Der VBE Hessen beobachtet immer wieder, dass politische Entscheidungen der Realität hinterherhinken. Mit Blick auf die Ausbreitung des Corona-Virus’ wäre es jedoch unverantwortlich, aus politischen Erwägungen oder Zögerlichkeit weit größere Probleme zu schaffen!
Vor zwei Wochen fragte der VBE Hessen beim HKM an, welche Empfehlungen es in Sachen Corona für die Schulen gebe. Da lautete die Antwort lapidar: Auf Hygienemaßnahmen in der Schule achten, keine Klassenreisen in Risikogebiete.

Diese Antwort ließ den VBE Hessen fassungslos zurück. Denn vielerorts verhindern es die Zustände, Hygienestandards einzuhalten: Seife, Papierhandtücher und warmes Wasser sind an den meisten Schulen Mangelware oder überhaupt nicht vorhanden, von Art und Umfang der Reinigung der Schulen ganz zu schweigen!

Der VBE Hessen neigt nicht zu Panikmache. Wir sehen auch, dass die Meinungen der Experten über notwendige Maßnahmen durchaus auseinandergehen. Eindringliche Mahnungen und Warnungen von fachlicher Seite gibt es jedoch genug.
Im akuten Fall entscheiden Gesundheitsbehörden über eine Schulschließung, in Sachen Prävention entscheidet jedoch die Politik. Und die muss ihre Verantwortung ernst nehmen. RECHTZEITIG!

Mit Blick auf die rasante Dynamik und auf die Tatsache, dass nach dem Saarland heute auch Bayern und Niedersachsen landesweite Schulschließungen bekannt gegeben haben, sollte Hessen sich bereits heute klar werden, ob am Montag an hessischen Schulen Unterricht stattfinden wird.

Ein Kommunikationsdebakel wie beim Sturm „Sabine“ vor wenigen Wochen, als der Staatssekretär am Samstagabend um 20:37 Uhr eine Mail an alle „Poststellen“ der Schulen gesandt hat, die jedoch aus technischen Gründen nur in der Schule abrufbar sind, wäre hier fatal. Es darf nicht soweit kommen, dass Schulleiter/innen dann am Montag im Laufe des Vormittags lesen, was sie hätten tun sollen…

Mit freundliche Grüßen,

Stefan Wesselmann
Landesvorsitzender des VBE Hessen

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