Landesvertreterversammlung des VBE fordert Kultusminister auf: Aus der Krise lernen!

Landesvertreterversammlung des VBE fordert Kultusminister auf: Aus der Krise lernen!

(16.06.2021) 80 Delegierte des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) aus ganz Hessen haben sich am 12. Juni 2021 zur virtuellen Landesvertretersammlung getroffen. Sie verabschiedeten einstimmig den Leitantrag „Aus der Krise lernen“, in dem die größten Herausforderungen für die Schulen in den vergangenen Monaten benannt werden und in dem die Politik aufgefordert wird, endlich die nötigen Mittel für Verbesserungen von Lehren und Lernen bereitzustellen. „Die Corona-Pandemie hat wie unter einem Brennglas gezeigt, was an Schulen alles im Argen liegt. Ein „weiter so“ darf es nicht geben“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann.

(Den Leitantrag in ganzer Länge finden Sie hier )

Die Landesvertreterversammlung (LVV) war als halbtägiges Arbeitstreffen angelegt, bei dem die Neuwahl der VBE-Landesleitung sowie Anträge aus den Regional- und Kreisverbänden im Mittelpunkt standen. Eine pandemiebedingte Entscheidung, denn üblicherweise kommen die VBE-Delegierten zur LVV ein Wochenende lang zusammen, mit viel Zeit für Austausch untereinander und für Diskussionen mit dem hessischen Kultusminister und den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen im Hessischen Landtag.

Diesmal also eine Videokonferenz, bei der mehrere Abstimmungen und (anonyme) Wahlgänge eingeplant waren. Die Aufregung angesichts der technischen Unwägbarkeiten war groß, doch das Netz blieb stabil und die Moderation von Tagungspräsident (und VBE-Ehrenvorsitzendem) Thomas Müller und „Technik-Host“ Christian Keller war durchgehend souverän.

Zum Beginn der Veranstaltung, beim Totengedenken, erinnerte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann an die langjährigen Mitstreiter/innen Inge-Ingrid Slabon (VBE Darmstadt-Dieburg) und Ulrike Schäfer (VBE Lahn-Dill) sowie die Ehrenvorsitzenden Elmar Schick (VBE Fulda) und Helmut Deckert (VBE Fulda).

Einblick in die Arbeit der Landesleitung

Im Anschluss gab die amtierende Landesleitung – die sich geimpft und getestet mit dem Tagungspräsidium an der Trinkbornschule in Rödermark eingefunden hatte – einen Einblick in die vielfältige Arbeit der vergangenen 5 Jahre.
Im Wechsel berichteten der Landesvorsitzende und seine Stellvertreter/innen von Verhandlungen im Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer am Kultusministerium (HPRLL) und Gesprächen mit dem Kultusministerium, von der Mitarbeit im dbb (v.a. in der Tarifkommission) und im VBE Bundesverband, von politischen Erfolgen (u.a. höhere Besoldung und UBUS-Fachkräfte), der positiven Medienresonanz auf Pressemitteilungen sowie dem Ausbau der Kommunikation mit den Mitgliedern insbesondere seit Beginn der Pandemie.

Neuwahlen: Landesleitung, Junger VBE, Kassenprüfer

Nachdem Kassenwartin Stefanie Hoffmann den Haushaltabschluss vorgestellt hatte und die Kassenprüfer die Buchhaltung als „lückenlos, transparent und vorbildlich“ beurteilt hatten, stand die Entlastung der bisherigen Landesleitung sowie deren Neuwahl auf der Tagesordnung.
Der VBE- Landesvorsitzende Stefan Wesselmann (VBE Offenbach) wurde mit 100 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt, mit ähnlich hohen Werten wurden Angela Tüncher (VBE Offenbach) und Anke Schneider (VBE Fulda) als Stellvertreterinnen und Markus Wolf (VBE Hersfeld-Rotenburg) als Stellvertreter wiedergewählt. Neu in das Gremium gewählt wurde Joachim Trautmann (VBE Darmstadt).

Christel Müller (VBE Fulda), die 16 Jahre lang stellvertretende Landesvorsitzende war, stellte sich aus Altersgründen nicht der Wiederwahl. Sie wird dem Landesverband aber mit ihrem großen Erfahrungsschatz aus der Verbandsarbeit weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Als Sprecherin des Jungen VBE wurde Lisa Dams (VBE Bergstraße/Odenwald) im Amt bestätigt. Sebastian Albert (VBE Darmstadt) und Michael Katzenmeier (VBE Bergstraße/Odenwald) folgen als Kassenprüfer Norbert Schidleja (VBE Eder-Schwalm) und Erich Kuschel (VBE Main-Kinzig) nach.

Grußwort von Kultusminister Lorz

Unterbrochen wurden die Wahlen zur Überraschung der Teilnehmer/innen von zwei prominenten Gästen: Kultusminister Alexander Lorz schaltete sich der virtuellen Landesvertreterversammlung für ein Grußwort zu. Er dankte den Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz während der Pandemie und beteuerte, wie wichtig die Einschätzung politischer Entscheidungen durch die Praktiker/innen sei. Seit Beginn der Pandemie hätten allerdings viele Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen, so dass die Lehrerverbände nicht frühzeitig angehört werden konnten. Für Kritik und Verbesserungsvorschläge habe das Ministerium aber immer ein offenes Ohr. In diesem Sinne setze er auf weitere gute Zusammenarbeit mit dem VBE Hessen.

Auch der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann war virtuell präsent. Er bekräftigte, was er bereits in vielen Interviews gesagt hat: Ein bloßes „Dankeschön“ an die Lehrer/innen reiche nicht, die Wertschätzung für deren Arbeit müsse sich endlich auch in konkretem Handeln, also in Verbesserung der Arbeitsbedingungen, ausdrücken. Stattdessen gebe es nur Leere: leere Versprechen und leere Hände – das aber verhindere eine bessere Lehre.

Leitantrag zu Personalplanung, Digitalisierung und Bürokratie

Reichlich Anregungen, wie sich die Arbeitsbedingungen an den Schulen und damit auch der Unterricht verbessern lassen, liefert der 5-seitige Leitantrag „Aus der Krise lernen“. Die Delegierten verabschiedeten einstimmig den Antrag, in dem u.a. eine bessere Personalplanung für die Schulen, ein höheres Tempo bei der Digitalisierung und die Ent-Bürokratisierung des Schulalltags gefordert werden.

Außerdem betont der VBE Hessen darin, dass eine Förderung für alle Schüler/innen (und nicht nur durch das „Aufholprogramm“) geboten sei, dass es multiprofessionelle Teams an allen Schulen brauche und die Unterstützung von Schüler/innen mit Förderbedarf dringend verbessert werden müsse. „Ziel allen politischen Handelns müssen Schulen sein, an denen gleichermaßen der Anspruch auf gute Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz sowie auf Bildungsgerechtigkeit für alle Schüler/innen erfüllt ist“, heißt es in dem Leitantrag.

Wie sehr das Thema Digitalisierung die Schulen umtreibt, spiegelt sich auch in den Anträgen der Regional- und Kreisverbände wieder: Sie bezogen sich z.B. auf die Bereitstellung adäquater PCs und Tablets für Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte, festen EDV-Support an den Schulen und die Einbindung eines Videokonferenzsystems in das Hessische Schulportal.

Es bleibt also viel zu tun für den VBE Hessen! Die neu gewählte Landesleitung wird alle Aufgaben mit viel Elan, Team-Geist und Beharrlichkeit angehen. Und bei alldem immer: überzeugend sachlich – sachlich überzeugend bleiben!

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