VBE wirft Landesrechnungshof mangelnde Sachkenntnis vor - Sparwut ersetzt keine
Bildungspolitik - Mehr Aufgaben an den Schulen erfordern auch mehr Personal - Verlagerung
von Schulamtsaufgaben spart keine Arbeit - Auch Lehrerarbeitszeit endlich
"Es ist gut und richtig, wenn der Landesrechnungshof die Verschwendung von Steuergeldern
anprangert; es ist falsch und unrichtig, wenn er im Bildungsbereich Kürzungsmöglichkeiten sieht." Mit
diesen Worten reagierte der hessische VBE-Landesvorsitzende Helmut Deckert heute auf die
Veröffentlichungen des Landesrechnungshofes.
Deckert zeigte sich verärgert: "Man wittert eine unheilige Allianz, wenn - wieder! - ausgerechnet der
Schulbereich als Sparpotential gesehen werde." Deckert spielte damit auf die Sparpläne des
Kultusministeriums im Bereich der Staatlichen Schulämter an.
Im Einzelnen zeigte Deckert vier Punkte auf, bei denen nach Ansicht des VBE der Rechnungshof weit
über das Ziel hinausgeschossen sei und teilweise wenig Sachkenntnis beweise.
"Wer", so fragte Deckert, "erklärt mir bitte, warum, Arbeit, die bisher ein Schulamtsdirektor gemacht
hat, weniger Zeit kostet, wenn sie an die Schulen verlagert wird?" Davon abgehen seien die Schulen
und Schulleitungen längst mit Verwaltungsarbeit überlastet. "Warum nimmt der Landesrechnungshof
nicht zur Kenntnis, dass bei Pädagogischen Tagen zwar Unterricht ausfällt, aber keine Mehrkosten
entstehen?" bemängelte Deckert. Pädagogische Tage seien zwingend nötige
Ganztagesveranstaltungen, an denen Schule fortentwickelt würde. Im Gegensatz dazu entstünden
allerdings direkte Kosten, wenn Landesbehörden Betriebsausflüge ganztägig durchführten, was in den
Schulen schon lange in der Freizeit passiere.
"Wer Rheinland-Pfalz mit dessen beabsichtigten Streichungen von Lehrerstellen als Beispiel für Hessen
anführt, zeigt, dass er jegliche Realität vermissen lässt." Es sei für jeden Einsichtigen nachvollziehbar,
dass die Einführung von Selbständigen Schulen, einer neuen Schulform wie der Mittelstufenschule, ein
neues Schul- und Lehrerbildungsgesetz und die Einführung von Bildungsstandards nicht zum Nulltarif zu
haben sei.
"Wer glaubt, mehr gemeinsamen Unterricht und erst recht Inklusion mit weniger Personal durchführen
zu können, muss sich fragen lassen, von was er nachts träumt", reagierte Deckert verärgert.
Er zog für den Landesrechnungshof das Fazit: "Schuster - bleib bei deinen Leisten:
Verschwendungsverhinderung - Ja! Einmischung in die Bildungspolitik - Nein!" Zugleich erinnerte der
VBE-Landesvorsitzende daran, dass Hessens Lehrkräfte ohnehin eine historisch wie bundesweit einmalig
hohe Arbeitsbelastung hätten. "Wo sollte da noch Sparpotential sein?", schloss Deckert.