VBE wirft Kultusministerium Weltfremdheit vor - Neue Vorgabe aus Wiesbaden erhöht eher
Arbeitszeit der Schulsekretariate, als die Sicherheit der Kinder - Polizeidienststellen werden
mit Vermisstenmeldungen konfrontiert
„Wenn es eines Beweises bedarf, dass das Kultusministerium nichts von der Wirklichkeit hessischer
Schulen kennt, so ist die neueste Pressemeldung vom Luisenplatz gut dafür“, sagte der hessische
VBELandesvorsitzende Helmut Deckert heute.
„Die neue Verordnung – die übrigens schon seit August 2011 gilt und jetzt bejubelt wird – erhöht
zunächst keineswegs die Sicherheit der Kinder, sondern die Arbeitszeit der Schulsekretärinnen,
Schulleitungen und Lehrkräfte“, empörte sich der VBE-Chef über eine Pressemeldung des hessischen
Kultusministeriums von gestern.
„Weiß Frau Henzler eigentlich, wie viele Eltern ihre Kinder unentschuldigt fehlen lassen, weiß Frau
Henzler eigentlich, dass die Arbeitszeit von Schulsekretärinnen endlich ist und die Schulträger hier
knapsen, weiß Frau Henzler eigentlich, wie es morgens an Schulen u.a. im Sekretariat zugeht?“,
äußerte sich Deckert kritisch.
Deckert fragte weiter: „Wie soll das Sekretariat eigentlich vom Fehlen des Kindes erfahren? Soll die
Lehrkraft selbst hingehen und damit den Unterrichtsanspruch der anderen Kinder missachten und die
Aufsichtspflicht dazu, oder soll sie ein Kind schicken, dessen Unterrichtsanspruch dann ebenfalls
geschmälert wird?“
Im Übrigen sehe die Verordnung weiter vor, dass auch ggf. die Polizei zu benachrichtigen sei. Bei einem
wirklichen Verbrechen mache nur das Sinn, so Deckert, aber im Regelfall werde die sich bedanken,
jeweils morgens aus ihren zugeordneten Schulen eine Unzahl von Fehlmeldungen zu erhalten, die ja
dann als Vermisstenmeldungen behandelt werden müssten.
„Weltfremder geht es nicht mehr!“ so Deckert abschließend. Die Tage später nachgereichte
Entschuldigung sei nämlich bei vielen - zumal bildungsfernen Schichten - der Regelfall geworden. Die
Entschuldigung käme häufig erst nach einer entsprechenden Aufforderung.
Aus gutem Grund habe auch der VBE seinerzeit in seiner Stellungnahme die entsprechende Passage als
unpraktikabel abgelehnt. „Aber wer hört in Hessen schon auf die Praktiker?“ fragte Deckert ironisch.