VBE sieht grundsätzlich gute Lehrerversorgung an den Schulen - Grund auch die historisch
hohe Arbeitszeit der Lehrkräfte - Anerkennung der Leistungen der Staatlichen Schulämter -
Voraussage: Mittelstufenschule wird ein Flop - Zu wenig Lehrkräfte im gemeinsamen
Unterricht
"Die hohe Zahl der Lehrkräfte in Hessen erfüllt uns mit Zufriedenheit", sagte der hessische VBE-
Landesvorsitzende heute zum Schulstart in Hessen, "das ist keine Frage und bedarf der Anerkennung.
Leider macht es die Zahl der Lehrer nicht allein, sondern man muss auch sehen, wo und wie sie
eingesetzt werden", fuhr Deckert fort. "Zudem beruht die Versorgung der Schulen auch auf einer
historisch hohen Arbeitszeit der Lehrkräfte; hier hätte ich mir eine entsprechende Anerkennung des
Ministeriums gewünscht."
Kritisch, so Deckert, sehe der VBE die sogenannte 100,25 %- Versorgung. "Es ist ohnehin schon bei
100 % Versorgung schwierig, alle Religions- und Förderstunden abzudecken", betonte Deckert. Und
weiter: "Damit das einmal klar wird: diese sogenannte Überversorgung führt bei einer Schule von z.B.
einem Stundenbedarf von 400 Wochenstunden gerade mal zu einer (!) Stunde Mehrzuweisung. Um
diese einzusetzen brauche ich keinen selbständigen Gestaltungsspielraum", sagte Deckert im Hinblick
auf die Überbetonung der selbständiger werdenden Schulen.
Eine nahezu vollständige Besetzung der Stellen gehe auch auf das Konto der Staatlichen Schulämter,
die trotz immenser Verunsicherung in den letzten Wochen Großes geleistet hätten. "Der VBE begrüßt
die Wiederbesetzung aller frei gewordenen Stellen und mahnt dies auch für die Zukunft als sogenannte
demografische Rendite an".
Hinsichtlich der Verwendung der Stellen sieht der VBE-Chef eine Schieflage: "Viele Stellen gehen zu
Lasten der Doppeljahrgänge G 8/G9, die man hätte vermeiden können; und die neue Mittelstufenschule
wird trotz guter Versorgung nichts Entscheidendes zur Verbesserung der hessischen Schulstruktur
beitragen können. Zudem", so Deckert weiter, "ist mir schleierhaft, warum ein Realschüler an der neuen
Mittelstufenschule weniger Unterricht erhält als an einer eigenständigen Realschule. Das wird die
Akzeptanz dieser Schulform nicht gerade erhöhen."
Zur Zahl der neuen Mittelstufenschulen verwies Deckert darauf, dass diese Schulen gerade mal 1 %
der hessischen allgemeinbildenden Schulen darstellten. Da könne man angesichts der Werbetrommel
seit Jahresanfang von durchschlagendem Erfolg wohl kaum reden.
Zur Versorgung allgemein sagte Deckert, man müsse in den nächsten beiden Schuljahresbeginnen nach
den Worten der Ministerin ja wohl mit Zuschlagen von jeweils rund 2,5 % rechnen, wenn das
Versprechen, zum Ende der Legislaturperiode 105 % Versorgung zu erreichen, erfüllt werden soll. Das
werde abzuwarten sein, zumal die Inklusion eine nennenswerte Zahl von Stellen absorbieren wird, wenn
das neue Schulgesetz erst einmal in das Bewusstsein der Eltern gedrungen ist. Hier befürchte der VBE
Schlimmes, zumal schon jetzt selbst genehmigter Gemeinsamer Unterricht häufig nur mangelhaft
ausgestattet sei.
Information: Ab Dienstag werden an hessischen Schulen einschließlich der Erstklässler 800.000
Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Rein rechnerisch erhalten die Schulen eine Zuweisung von
100,25 %. 18 von rund 2000 allgemein bildenden Schulen (also rund 1 %) haben sich in einem
Modellversuch zu Mittelstufenschulen umgewandelt.