VBE rät Eltern von Erstklässlern zu "Unterstützung mit Augenmaß" - Motorische und
sprachliche Fähigkeiten wichtige Voraussetzungen - Ausgewogene Ernährung und
ausreichend Schlaf tragen zu Lernerfolg bei
"Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist für die Kinder ein bedeutender Schritt, aber
mindestens genau so bedeutend ist er für die Eltern", stellt Stefan Wesselmann, stellvertretender
Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Hessen angesichts des morgigen
Einschulungstages fest.
"Die Kriterien, die zur Feststellung der Schulfähigkeit erforderlich sind, gleichen keiner Checkliste", weiß
Wesselmann, der selbst Schulleiter einer Grundschule und Vater einer Erstklässlerin ist. "Entscheidend
bei der Betrachtung der Stärken und Schwächen eines Kindes ist das Gesamtbild. Die entscheidende
Frage ist immer: Wird das Kind im ersten Schuljahr erfolgreich mitarbeiten können?"
Da jedes Kind unterschiedliche Fähigkeiten in den Bereichen des Sozial- und Arbeitsverhaltens sowie
der Sachkompetenz mitbringe, könne den Eltern auch kein pauschaler Ratschlag zur Unterstützung ihrer
Kinder erteilt werden. Pädagogen, Mediziner und Psychologen seien sich indes darüber einig, dass
Erfolgserlebnisse von Anfang an unverzichtbar für eine erfolgreiche Lern- und Schulbiographie sind,
betont Wesselmann.
Der Gewerkschafts-Vize rät Eltern, ihren Nachwuchs mit Augenmaß zu unterstützen. Der Erfolg hinge
nicht am Besuch des Frühenglischkurses im Kindergarten und dem Geigenunterricht für Vierjährige,
sondern beispielsweise an motorischen Fähigkeiten, wie selbständiges An- und Ausziehen sowie dem
Umgang mit Stiften, Schere und Klebstoff. Ein umfangreicher Wortschatz und ein guter sprachlicher
Ausdruck erleichterten den Lese- und Schreiblernprozess, daher bestünde auch hier ein guter
Unterstützungsansatz, denn "sprechen lernt man nur durch Sprechen", appelliert Wesselmann an
Eltern, "sich auch nach einem Arbeitstag noch mit dem Nachwuchs über den Tag und das Erlebte zu
unterhalten."
Für den Ablauf des Nachmittags gäbe es keine konkreten Ratschläge, da jedes Kind seinen eigenen
Rhythmus habe. "Ob die Hausaufgaben sofort nach dem Mittagessen erledigt werden sollten, oder erst
nach einer Entspannungsphase, das müssen Eltern individuell für ihr Kind herausfinden", weist der
Pädagoge auf die Verantwortung der Eltern hin. Dasselbe gelte auch für Hobbies. "Egal ob Blockflöte,
Klavier, Fußball oder Ballett: Die Aktivitäten sollten überschaubar sein und dürfen vom Kind nicht als
Strafe empfunden werden."
Abschließend betont der stellvertretende VBE-Vorsitzende auch die Bedeutung eines geregelten
Tagesablaufs "mit ausgewogener Ernährung, ausreichend zuckerfreier Getränke und wesentlich mehr
Stunden Schlaf als Fernsehen", fügt Wesselmann augenzwinkernd hinzu.
Information: Am Dienstag, den 9. August 2011 werden in Hessen 53.300 Schülerinnen und Schüler in
die erste Klasse eingeschult.